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Bannertier im April: Das unbekannte Blässhuhn

Das Blässhuhn kennt eigentlich jeder, auch wenn er nicht unbedingt dessen Namen nennen kann. Als Bewohner von unterschiedlichsten Gewässertypen, wie Seen, größere Flüsse, Parkteiche und andere Ziergewässer, geht es zumindest in Mitteleuropa den Menschen kaum aus dem Weg. Im Winter lassen sich auch größere Ansammlungen auf fast vegetationsfreien Baggerseen und Stauseen beobachten. Dann werden die heimischen Blässhuhnbestände verstärkt durch Vögel aus dem Osten und Norden des Kontinents.

Nicht wirklich bunt, aber auch nicht einfarbig!
Wir nehmen die Blässhühner, oder Blässrallen wie sie taxonomisch korrekt heißen würden, als schwarze Vögel wahr, die eine weißen Schnabel und darüber eine Blässe haben, die ihnen den Namen gegeben hat. Aber bei genauerem Hinsehen lassen sich Details erkennen, die das Schwarzweiß-Bild, was wir von diesen Vögeln haben, verblassen lassen. So schimmert das Gefieder von Altvögeln bräunlich bis olivfarben und wir können erkennen, dass Kehle und unterer Hals dunkler gefärbt sind. Nur Kopf und Hals sind tatsächlich samt-schwarz. Die Unterseite der Blässhühner, die man bei schwimmenden Vögeln ja nicht sieht, ist grau bis graubraun gefärbt. Im Flug wird deutlich, dass die braunschwarzen Handschwingen weißliche Spitzen tragen, die äußerste sogar einen feinen weißen Außensaum. Und am Hinterrand des Armflügels erkennt man im Flug einen weißen Rand. Auch die unbefiederten Körperteile sind „bunt“: Die Läufe sind hell aschgrau oder blass grünlich gelb, das Fersengelenk wird mit zunehmendem Alter kräftiger goldbraun. Die Zehen und beeindruckend breiten Schwimmlappen dagegen sind bleich olivfarben mit schmutzig blaugrünen Gelenken. Und was kaum jemand sieht: Die Augen sind rot.

Hübsch-hässliche Küken
Jugendliche, unausgefärbte Vögel lassen sich leicht erkennen, ihre Oberseite braunschwarz gefärbt, grauweiße  Bereiche am Kopf sowie an der Kehle, am unteren Hals und der Brust lassen sei schnell von den adulten, den ausgefärbten Vögel unterscheiden. „Hübsch-hässlich“ (Heinz Rühmann) sind die Küken! Sie ähneln kleinen Teufeln mit roten stacheligen Köpfen und einem schwarzen Dunenkleid, aus dem die unbefiederten Flügel wie hakige Ärmchen herausstehen.

Blässhühner besiedeln ein großes Areal, das die gemäßigten Zonen von Europa und Asien sowie der Australregion umfasst. Zur Nestanlage benötigen sie eine ausreichende Ufervegetation, die nicht unbedingt aus einer Röhrichtzone bestehen muss, sondern es reichen oft auch Weidenbüsche, deren Äste in das Wasser ragen. Ihr großes Verbreitungsgebiet sowie die relative Anspruchslosigkeit an den Lebensraum lassen vermuten, dass die Blässhühner Generalisten sind, die nicht auf auf eine bestimmte Nahrung oder einen besonderen Nahrungserwerb spezialisiert sind. Sie fressen fast alles Organische, wie Pflanzenteile, Muscheln,  Schnecken, Insekten und selbst kleine Fische werden gefangen. Sie können einigermaßen tauchen, sind aber für lange Tauchgänge nicht geeignet und „ploppen“ wie Korken zurück an die Wasseroberfläche. Oft werden Nahrung suchende Blässhuhnschwärme von Möwen heimgesucht, die den auftauchenden Vögeln, die Nahrungsbrocken, wie zum Beispiel Muscheln aus dem Schnabel stehlen. Selbst Schnatterenten haben sich regional auf dieses Schmarotzen spezialisiert.

Papa baut Familiennester
Blässhühner führen eine monogame Saisonehe. Erfolgreiche Paare bleiben aber manchmal jahrelang zusammen. Die oft schwimmend angelegten Nester dienen auch noch nach dem Flüggewerden dem Nachwuchs als Plattform zum Schlafen. Meist sind sogar spezielle Ruhenester für die Familie vom Männchen angelegt worden. Die Jungen werden bis zu fünf Wochen von beiden Eltern geführt, wobei eine Aufteilung der Jungenschar stattfindet und jeweils die Mutter und der Vater nur „ihre“ Jungen versorgen.
In Freiheit können Blässhühner bis 20 Jahre alt werden. Das Blässhuhn zählt immer noch zu den jagdbaren Vogelarten und kann im Winter (September bis Februar) geschossen werden. Die Jagdstrecke alleine in NRW schwankt um die 3000 geschossene Rallen im Jahr. Naturschutzverbände wie der NABU fordern ein Jagdverbot der Blässhühner und ihre Löschung aus der Liste der jagdbaren Arten.

Thomas Griesohn-Pflieger


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Wer schreibt für MINOX Naturgenuss?

Thomas Griesohn-Pflieger (geb. 1954) ist ein in Vogelkundler-Kreisen bekannter Publizist aus dem Ruhrgebiet, der in Filmen, unzähligen Zeitungsbeiträgen, mehreren Büchern und schließlich als Erfinder und Chefredakteur von VÖGEL für den "schönsten Zeitvertreib der Welt" und den Naturschutz eintritt. Heute ist der Familienvater und studierte Journalist Chefredakteur vom Naturgucker Magazin, das sich der Naturbeobachtung über die Vogelwelt hinaus widmet. Als Mit-Erfinder des GermanBirdnets und Begründer des www.birdnet.de, der ältesten Plattform für Vogelbeobachtung im deutschsprachigen Internet, setzt er sich schon lange für die Zusammenarbeit der Vogel- und Naturbeobachter über die Grenzen von Organisationen ein.


Wer malt für MINOX Naturgenuss?

Nikolai Kraneis wurde in Bulgarien geboren und wuchs in Ostdeutschland und Bulgarien auf. Jedes Jahr in den Sommerferien besuchte er seine bulgarischen Großeltern. Sein Großvater malte Blumen und Landschaften in Öl, so dass es in ihrer Wohnung nach Terpentin und Leinöl roch - der Duft von frischem Öl-Gemälde.
Mit 16 Jahren hatte er die erste Kontakte mit der Ornithologie, die ihn seit dem nicht mehr loslässt. Schon als Kind zeichnet er Tiere und Karikaturen. Später studierte er Veterinärmedizin. Heute arbeitet er in Berlin als vielseitiger Grafiker und Illustrator.



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