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Bannervogel im Dezember: Der Schwarzspecht

“Kliööh“ klingt es durch den winterlichen Wald. Meist nimmt man den Schwarzspecht in seinem Revier zuerst akustisch wahr und besonders häufig hört man ihn im Winter. Seine Rufaktivität gipfelt dann im Spätwinter, manchmal schon ab Januar, in seine Balz, wo dann die stimmliche Äußerungen durch das bekannte Trommeln ergänzt werden.

Unter den Spechten Europas ist der Schwarzspecht der größte – fast so groß wie eine Krähe, daher der volkstümliche Name „Holzkrähe“ - und tiefschwarz mit einer mehr oder weniger bei den Geschlechtern unterschiedlich ausgeprägten roten Kopfplatte. Er ist eindrucksvoller Vogel, der nicht nur als Zimmermann in das Volkswissen eingegangen ist, sondern in der Antike als Symbolvogel des Kriegsgottes Mars galt. Sein wissenschaftlicher Name Dryocopus martius erinnert daran, wobei sich das  Dryocopus mit „Waldbaumhämmerer“ übersetzen lässt und martius den Bezug zu Mars herstellt.

In unseren wirtschaftlich genutzten Wäldern spielt der Schwarzspecht die Rolle des Aufschließers. Da meist alte, ausgehöhlte Bäume fehlen, ist er es, der den vielen Höhlen bewohnenden Tierarten als Zimmermann zu einer Nisthöhle verhilft. Das machen natürlich die anderen Spechte auch, aber sie bauen kleine Höhlen. Arten wie Raufußkauz, Dohle, Schellente, Hohltaube, Baummarder und weitere rund 60 Tierarten sind weitgehend auf die geräumigen Höhlen des Schwarzspechtes angewiesen. Ohne ihn können sie kaum brüten und wären in unseren Wirtschaftswäldern entschieden seltener.

Die Höhlen des Schwarzspechtes sind durchdachte Bauwerke. Jedes neue Paar beginnt mit dem Bau einer Nisthöhle, die aber oft genug nicht benutzt wird, sondern vielleicht ein paar Jahre später erst endgültig ausgebaut wird. Der Bau einer neuen Höhle dauert 23 bis 28 Tage. Alle drei bis fünf Jahre wird eine neue Höhle gebaut. Meist legen die Schwarzspechte zunächst nur einen Eingang an. Wenn dieser an den Rändern verfault ist, wird weiter gemeisselt. Das geht dann leichter und vor allem lässt sich so die Regentraufe am Boden des Eingangs anlegen, die nach außen schräg verläuft und Überschwemmungen der Höhle durch Regenwasser, das den Stamm herunterläuft, vermeiden hilft. Schwarzspechthöhlen sind an dem hoch-ovalen Eingang zu erkennen.

Noch einen Trick wenden die Spechte an: Höhlen werden meist in Buchen angelegt, die von Weißfäule, einer Pilzerkrankung, befallen sind. Die Pilze zerstören das Lignin des Holzes, das dadurch faserig und für den Schwarzspecht  - weil weicher - leichter zu bearbeiten ist. Die Spechte erkennen offensichtlich an der Klopf-Resonanz die Weißfäule, denn von außen ist sie nicht zu sehen. Dieses Verfahren, klopfen und die Resonanz auswerten, wenden die Spechte auch bei der Suche nach Käferlarven an. Unbekannt ist den meisten Naturfreunden aber, dass Schwarzspechte sich zu 80 Prozent von Ameisen ernähren und die finden sie - auch im Holz! Im Sommer, wenn die Wärme liebenden Krabbler, überall im Wald herumlaufen, stehen Weg- und Holzameisen auf seinem Speisezettel. Im Winter ziehen sich diese Ameisen allerdings ins Erdreich zurück und der Schwarzspecht weicht auf Waldameisen aus, die im Inneren von Bäumen, meist Fichten, überwintern. Sie bevorzugen Fichten, die von Rotfäule befallen sind. Das ist ebenfalls eine Pilzerkrankung, die allerdings nur bei Nadelbäumen auftritt und gleichfalls von außen nicht zu sehen ist. Hier kommt ihm wieder sein gutes Gehör zu gute, mit dem er gezielt die „rotfaulen Fichten“ suchen kann.

Der Schwarzspecht gilt als „nicht gefährdet“. Sein Bestand wird in Deutschland auf 30 – 40 000 Paare geschätzt. In der Schweiz geht von man 3-5000 und in Österreich von 4500 – 8000 Paaren aus.

Thomas Griesohn-Pflieger

November: Der Kiebitz

Vor zwanzig Jahren noch war der Kiebitz im mitteleuropäischen Tiefland ein durchaus verbreiterter Brutvogel. Heute ist er weitgehend heimatlos geworden, und wo er noch brütet, hat er wenig Erfolg. Der Kiebitz ist ursprünglich ein Bewohner von Feuchtwiesen, Grassteppen, Moorrändern und ähnlichen offenen Landschaften. Als diese Lebensräume durch die Landwirtschaft umgewandelt wurden in Viehweiden und Äcker folgte der Kiebitz auf diese neuen Flächen. Doch heute kann er auch dort nicht überleben und wird wohl in Zukunft nur noch in speziellen Schutzgebieten brüten können.

Ohne Schutzmaßnahmen geraten nämlich die meisten Bruten unter den Pflug, werden beim Wiesenwalzen zerquetscht oder die jungen Kiebitze verhungern und erfrieren in Wiesen, die überdüngt sind, keine Nahrung mehr bieten oder so dicht stehen, dass kein Sonnenlicht mehr die Erde erwärmen kann. Manche Kiebitzpaare versuchen auf Maisäckern zu brüten und machen bis zu vier Bruten, die all letztlich erfolglos bleiben, weil die Äcker so intensiv bearbeitet werden. So gibt es heute zum Beispiel in der Schweiz nur noch rund 100 Paare, die alle besonders geschützt werden müssen.

Zu den Landschaftsveränderungen kommen weitere Faktoren wie intensive Freitzeitnutzung von offenen Wiesenlandschaften und nicht zuletzt die Jagd auf ihn. Es ist grotesk, dass zum Beispiel in Frankreich jedes Jahr mehr als eine halbe Million Kiebitze erlegt werden. Europaweit haben die Bestände dieser Art zwischen 1985 und 2005 um mehr als die Hälfte abgenommen, was einem realen Verlust von mehr als einer Million Paaren entspricht (Komitee gegen den Vogelmord).

Jetzt im Herbst ziehen osteurpäische Vögel durch Mitteleuropa und in manchen Wiesenlandschaften kann man Trupps von einigen Hundert Kiebitzen sehen. Die unverkennbaren Rufe, die schwarz-weiße Fluggestalt oder der schnelle Lauf am Boden, oft durch abruptes Stehenbleiben gekennzeichnet, machen ihn leicht für Einsteiger bestimmbar.


Oktober: Die Bekassine

Die Bekassine, Vogel des Jahres 2013, ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Sie zählt zu den Vogelarten, die einstmals häufig waren und nun immer weniger Lebensräume finden, um sich fortzupflanzen. Als Durchzügler und Rastvogel auf den Wanderungen im Frühjahr und im Herbst ist sie noch häufiger anzutreffen. Das liegt daran, dass ihre Ansprüche an das Brutgebiet viel höher sind als an die Rastgebiete. Auf dem Zug lässt sie sich an Gräben, Fluss- und Seeufern, ja sogar an kleinen Pfützen in Industriebrachen beobachten. Zur Brut benötigt sie aber größere Wiesenlandschaften mit sumpfigen oder moorigen Anteilen.

Der explosionsartig angestiegene Maisanbau für die Biomasse-Produktion ist einer der Gründe für den Verlust von Brutgebieten für die Wiesenvögel. Feuchtes Grünland wurde auf ehemaligen Moorstandorten großflächig in Acker umgewandelt und damit als Lebensraum zerstört. Auf den verbliebenen Grünlandflächen ist die Bewirtschaftung deutlich intensiver als früher, vor allem die starke Entwässerung und Düngung führen dazu, dass sich die Flächen für Wiesenvögel nicht mehr zum Brüten und Rasten eignen. Die Wiesen sind zu üppig und bilden einen dichten hohen Teppich, die Sonne kann den Boden nicht mehr erwärmen, das Insektenleben verarmt und der Raumwiderstand für die Vögel nimmt so zu, dass sie die Wiesen nicht mehr nutzen können. Es ist, als müsste ein Mensch, der es gewohnt ist durch lichte Wälder zu wandern, sich durch dichtes Dornengestrüpp kämpfen.

In Deutschland hat vor allem das Land Niedersachsen noch nennenswerte Bekassinenbestände. Im Land der Moore und Feuchtwiesen brüten insgesamt 28 Prozent des deutschen Bestandes, der auf 1900 Reviere geschätzt wird. Aber auch hier verliert die Sumpfschnepfe Lebensraum: 16.700 Quadratkilometer, die die Bekassine 1980 noch besiedelte, sind heute verwaist. „Der Bestand der Bekassine in Niedersachsen ist seit 1976 um mehr als 70 Prozent zurückgegangen. Diesen Abwärtstrend müssen wir stoppen, denn wir haben eine besondere Verantwortung für diese Art“, sagte Dr. Markus Nipkow, Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte in einer Mitteilung des NABU.
Die Bekassine kann mit Zwergschnepfen und Doppelschnepfen verwechselt werden. Wenn man aber ausreichend Zeit hat, sie auf dem Boden zu beobachten, kann man ihren weißen Bauch sehen und sie so von der etwas größeren und viel selteneren Doppelschnepfe unterscheiden. Von der viel kleineren Zwergschnepfe, kleiner als ein Star, unterscheidet sie sich durch den gestreiften Scheitel, der bei der kleineren Verwandten einfarbig dunkel ist und den viel längeren Schnabel. Wenn die Vögel auffliegen, ist es noch einfacher: Bekassinen fliegen hoch im Zickzack-Flug und rufen dabei meist mehrmals „ätsch“. Die Doppelschnepfe fliegt aufgescheucht langsamer, geradlinig und stumm auf. Die Zwergschnepfe fliegt meist erst sehr spät, „bevor man drauftritt“ und auch stumm in geradlinigen Flug auf und landet meist schon nach wenigen Metern wieder.

Jetzt im Oktober hat man gute Chancen, den bei uns seltenen Brutvogel als Durchzügler aus dem Norden zu sehen.


September: Der Rotmilan

Zwei Milan-Arten gibt es in Deutschland zu beobachten, den hier abgebildeten Rotmilan und den Schwarzmilan. Milane halten die Flügel gebogen, und der in vielen Flugsituationen gut sichtbar gegabelte Schwanz wird besonders beim Rotmilan zum Steuern fortlaufend gedreht. Das ist schon ein wichtiger Hinweis, um Milane von anderen großen Greifen, wie Bussarden, Wespenbussarden, Zwergadlern und Schreiadler unterscheiden zu können. Der Rotmilan ist im Osten häufiger, der Schwarzmilan ist vor allem im Südwesten oft zu beobachten. Er dringt langsam nach Norden vor und hat schon den Niederrhein erreicht. Der Schwarzmilan ist bei uns ein ausgesprochener Zugvogel, der den europäischen Winter meidet. Der Rotmilan versucht oft zu überwintern, oder weicht nur kalten Perioden nach Südwesten, etwa nach Spanien, aus. Der Rotmilan ist eine Spezialität Mittel- und Westeuropas, der Schwarzmilan kommt dagegen in mehreren Rassen in einem riesigen Verbreitungsgebiet nahezu in der gesamten Alten Welt vor. Weit über 60% der Weltpopulation leben in Mitteleuropa. Deutschland hat eine herausragende Bedeutung für den Schutz dieser Greifvogelart. Bedroht ist der Rotmilan bei uns nicht nur die Umwälzungen in der landschaftlichen Nutzung, dem Verschwinden von Wiesen und Weiden und der Mistwirtschaft sondern neuerdings auch durch Großwindanlagen.

Der Rotmilan ist ein auffälliger und leicht erkennbarer Greifvogel, auch wenn er häufig vor allem von Beobachtern, die beiden Arten nicht gut kennen, mit dem Schwarzmilan verwechselt wird. Die Flügel sind lang und recht schmal. Der Handflügel hängt etwas herab und wird etwas zurück gebogen. Der Rotmilan macht dadurch immer einen etwas hängenden Eindruck. Die Flügelschläge sind tief und elastisch und wirken durch die Länge der Flügel auch langsam. Beide Milane machen einen eleganten Eindruck. Beim Rotmilan ist der rötliche Schwanz lang und tief gegabelt, deshalb ist ein weiterer Name für ihn Gabelweihe, früher auch, zum Beispiel bei Goethe, der Gabelweih. Die Schwanzkerbe ist allerdings nicht immer so auffällig wie man erwarten könnte, denn beim gespreizten Schwanz wird sie sehr flach und verschwindet fast ganz. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Vogel in der Thermik segelt und alles aufspannt, was ihm Auftrieb geben kann. Das Gefieder ist tief rostrot mit auffallend hellgrauem Kopf – siehe Bannerbild. Das große weiße Flügelfeld auf den inneren und den Basen der äußeren Handschwingen ist sehr auffällig. Der Schwarzmilan ist insgesamt dunkler, einfarbiger, etwas kleiner, der Schwanz ist nicht rot und nur schwach gegabelt.

August: Der Turmfalke

Es ist nicht schwer, Turmfalken zu beobachten. Wie der Mäusebussard sind sie vergleichsweise häufige Brutvögel in unseren Breiten. Außerdem ist ihr Verhalten an offenes Gelände angepasst, das heißt, sie leben nicht versteckt, sondern jagen offen über Wiesen und Feldern nach Insekten und Mäusen und allem anderen, was sie überwältigen können. Dabei fallen sie häufig dadurch auf, dass sie gegen den Wind in der Luft stehend mit den Flügel schlagen. „Rütteln“ nennt man dieses Flugverhalten, das es Ihnen ermöglicht, aus der Luft eine große Fläche zu überblicken und nach Beute zu untersuchen. Beim „Stehen in der Luft“ ist der Körper aufgerichtet und der Schwanz als Stabilisierungsfläche breit gefächert. Es ist beeindruckend zu sehen, wie der Vogel fast wie festnagelt, selbst bei Windböen, auf der Stelle verharrt. Andere Vögel, wie Bussarde oder der Raubwürger rütteln viel seltener und sie sind sehr leicht vom Turmfalken, allein schon von der Größe, zu unterscheiden, sodass das Rütteln eines mittelgroßen Vogels über einer freien Fläche schon artbestimmend sein kann.

Turmfalken können wie andere Greifvögel auch, das Vorkommen von Mäusen leicht entdecken. Dazu müssen sie die Nager gar nicht sehen, es reicht ihre Urinspuren an den Mäusewegen zu entdecken und das ist nicht schwierig, denn Turmfalken können UV-Licht sehen und Mäuse-Urin reflektiert genau diese Lichtwellen. Wer also lange genug Flächen mit viel Mäuse-Urin beobachtet, hat dann gute Chancen eine Maus zu fangen. Das macht der Turmfalke aus der Luft. Hat er eine Beute im Rüttelflug in typischen 20 bis 40 Metern Höhe entdeckt, lässt er sich meist etagenweise nach unten gleiten, rüttelt, gleitet nach unten und schlägt dann im Stoßflug zu. Da die Höhe gering ist, ist auch die Stoßgeschwindigkeit gut beherrschbar. So kann der Falke bei einem Fehlstoß sich meist noch abfangen und zum erneuten Rütteln wieder aufsteigen. Längst nicht jeder Stoß führt zum Erfolg. Es ist interessant mitzuzählen. Probieren sie es mal aus. Manchmal muss der kleine Falke bis zu zehnmal zustoßen um eine Beute zu erwischen. Und wenn man den Falken schon genau beobachtet, kann man auch gleich üben, die Geschlechter zu unterscheiden. Adulte Männchen (siehe MINOX-Bannerbild) zeigen einen blaugrauen Schwanz mit einer deutlichen Schwanzendbinde, auch der Kopf ist grau. Weibchen haben einen kastinienbraunen Kopf,und der bräunliche Schwanz ist dicht gebändert. Jungvögel ähneln den Weibchen so, dass man sich über den Mauserzustand an das Alter herantasten kann. Aber das fällt selbst Experten schwer.

Juli: Die Lachmöwe

Jetzt im Sommer lösen sich die Kolonien der Möwen und Seeschwalben langsam auf und vor allem die jungen Vögel erkunden die weitere Umgebung. Dabei können sie lange Strecken zurücklegen und weit entfernt von ihren Geburtsorten auftauchen. Ornithologen nennen dieses Verhalten des ungerichteten Zuges „Dispersionszug“. Dabei geht es also nicht darum, dem Winter auszuweichen oder im Frühjahr der länger scheinenden Sonne nach Norden zu folgen, was allgemein als „Vogelzug“ bekannt ist. Auch Lachmöwen tauchen jetzt entfernt von den Brutplätzen auf und ziehen in kleinen Trupps durchs Binnenland. Da jetzt ein-, zweijährige und adulte Vögel zu sehen sind, ist das eine gute Gelegenheit sich mit den Kleidern der Lachmöwe, ab Oktober auch mit dem Winterkleid, vertraut zu machen.

Die alten Lachmöwen tragen jetzt noch ihre dunkelbraunen Kapuzen, während die Jungvögel diesen Jahres noch viele braune Federn zeigen. Diese verschwinden, aber auch nicht alle, mit der ersten Mauser im Spätsommer. Dann werden auch Füße und Schnabel hellrot, die Gesamterscheinung wechselt zu weiß-grau und nur in den Flügeln sind noch braune Federreste zum Beispiel auf den Armdecken zu sehen. Auffällig ist bei den Jungvögeln die schwarze Schwanzendbinde, die bis zum zweiten Lebensjahr erhalten bleibt.

Verwechseln kann man die Lachmöwe im Brutkleid kaum, denn andere Möwen mit schwarzen oder braunen Kapuzen sind in Mitteleuropa selten. In Frage kommen Zwergmöwe und Schwarzkopfmöwe.

Die kleinere Zwergmöwe ist ein nicht seltener Durchzügler von Mitte April bis Mitte Mai. Ihre schwarze Kapuze erstreckt sich bis in den Nacken und abgesehen von vielen Details lässt sie sich schon durch die den Seeschwalben ähnliche Flugweise und vor allem die Flügelfärbung unterscheiden. Die Verteilung von Weiß und Grau ist das beste Erkennungsmerkmal für Lachmöwen auch in anderen Kleidern als dem Brutkleid.

Dieses Kennzeichen unterscheidet sie auch zuverlässig von der recht ähnlichen Schwarzkopfmöwe. Lachmöwenflügel sind spitz und zeigen auf der Oberseite des Vorderflügels einen auffälligen weißen Keil im grauen Flügel auf. Das ist ein Kennzeichen, das auch auf weite Entfernungen gut zu sehen ist, wenn man „ein Auge dafür“ entwickelt hat. Die Flügel der Schwarzkopfmöwe zeigen diesen Keil nicht, sie sind fast ganz grau (adult) oder zeigen eine unregelmäßige Flügelspitze.

Die Zwergmöwe fliegt im Gegensatz zur Lachmöwe auf runden Flügeln, die unterseits auffällig dunkelgrau sind und nur eine weiße hintere Flügelkante haben.

Wer den weißen Keil im Flügel der Lachmöwen verinnerlicht hat, sollte kaum Probleme haben, diese schöne und nicht seltene Möwe bestimmen zu können.

Die Kolonien der Lachmöwe bestehen oft aus vielen Tausend Paaren. Da sie ihre Nester energisch gegen alle Feinde zu Boden und in der Luft verteidigen, bieten sie Schutz auch für andere Vögel, wie zum Beispiel Schwarzkopfmöwen, Schwarzhalstaucher und Seeschwalben. Im westlichen Münsterland an der Grenze zu Holland haben im Zwillbrocker Venn Rosa- und Chile-Flamingos den Schutz der dortigen riesigen Lachmöwenkolonie gesucht und brüten dort.


Juni: Trauerseeschwalbe

Seeschwalben sind keine Schwalben, sondern Seeschwalben! Genauso wie Fischadler keine Adler, sondern Fischadler sind und Flughühner keine Hühner. Warum führen sie dann den Namen Schwalbe in der Artbezeichnung? Weil sie ebenso wie die kleinen Flugkünstler aus der Ordnung der Singvögel unermüdlich fliegen und über dem Wasser flattern, hin und her und immer auf der Jagd nach Insekten oder Fischen. Verwandtschaftlich gehören die Seeschwalben zur riesigen Ordnung der Wat-, Alken- und Möwenvögel, sind näher mit den Möwen verwandt und wie diese fast immer am Wasser zu finden.

Die Seeschwalben unterscheidet man grob in zwei Gruppen: die weißen Seeschwalben, die wir mehr an den Küsten finden wie Küsten-, Fluss-, Brandseeschwalbe zum Beispiel und die Sumpfseeschwalben, die eben nicht fast ganz weiß sind und bei uns nur selten am Meer nach Nahrung suchen. Die Traueseeschwalbe zählt zu den Sumpfseeschwalben. Sie wohnt im Sumpf, denn sie ist an flachen Stillgewässern zu Hause, wo sie auf schwimmenden Nestern brütet.  Andere Sumpfseeschwalben, die alljährlich und dann meistens jetzt, nämlich Ende Mai/ Juni in Mitteleuropa auftauchen, sind die Weißflügel- und die Weißbartseeschwalbe. Vor allem mit der Weißflügelseeschwalben kann man die Trauerseeschwalbe auf den ersten Blick verwechseln. Und wenn die Seeschwalben erst mal gemausert und das Brutkleid abgelegt haben, wird es schwierig. Sumpfseeschwalben im Schlichtkleid und im Jugendkleid sind eine Herausforderung auch für geübte Vogelgucker. Aber jetzt im Juni haben wir das Problem nicht und können uns an den eleganten Vögel, die im Nordosten noch etwas häufiger sind und im Süden als Brutvögel fehlen,ergötzen, wenn sie im eleganten, schwerelos wirkenden Flug über die Wasser gaukeln und die Männchen den Weibchen etwas Nistmaterial präsentieren oder ein kleines Fischchen.


Mai: Der Mauersegler

Kein Vogel in unseren Breiten ist derartig an das Leben im Flug angepasst wie der Mauersegler. Wenn in Fantasy-Filmen das Leben in völlig anderen Welten dargestellt wird und uns zum Staunen bringt, so eröffnet uns ein Blick in das Leben des Mauerseglers auch in Blick in eine völlig fremde Welt. Diese Lebewesen leben sehr schnell, legen riesige Entfernungen zurück, erstarren bei Kälte und berühren manchmal jahrelang keinen festen Boden. Sie leben in einer bodenlosen Welt ohne festen Halt.

Spätestens im Mai beziehen die Mauersegler in Mitteleuropa ihre Brutreviere wieder. Sie haben dann eine lange Wanderung vom südlichen Afrika bis zu uns hinter sich. Mit hellen manchmal schrillen Rufreihen sausen sie durch die Straßen und über die Städte und erzeugen so den typischen "Sommersound", der zu Biergärten, Eiscafés und Freibad passt. Sie bleiben nicht lange, denn schon Ende Juli, spätestens im August machen sie sich wieder auf den Weg nach Afrika. Jungvögel kommen meist erst im zweiten Lebensjahr wieder in ihre Heimat zurück und, wenn sie dann unter dem Dach ein Nest bauen, haben sie fast 24 Monate keinen festen Boden berührt und sind pausenlos geflogen!
Segler sind Rekordvögel. Sie sind am längsten in der Luft, sie sind die schnellsten Flieger und sie sind die einzigen Vögel, von denen bekannt ist, dass sie in der Luft schlafen! In Sturzflügen, Verfolgungsjagden oder der Flucht vor Baum- und Wanderfalken können sie 200 km/h schnell werden. In der Nacht sind sie natürlich langsamer und haben den Energieverbrauch gedrosselt. Eine Geschwindigkeit von durchschnittlich 23 km/h wurde dann bei ihnen gemessen.

Vogelbeobachtungseinsteiger sollten sich die Mauersegler jetzt gut ansehen und sich mit den Flugweisen und Bewegungsabläufen vertraut machen und so lernen, sie von den Schwalben, mit denen sie manchmal verwechselt werden zu unterscheiden. Segler fliegen auf steifen, sichelförmigen Flügeln, gleiten lange Strecken im schnellen, oft reißenden, Flug, haben einen kaum gegabelten Schwanz und sind fast einfarbig rußschwarz. Und dann die Stimme...Vogelbeobachtungseinsteiger sollten sich die Mauersegler jetzt gut ansehen und sich mit den Flugweisen und Bewegungsabläufen vertraut machen und so lernen, sie von den Schwalben, mit denen sie manchmal verwechselt werden zu unterscheiden. Segler fliegen auf steifen, sichelförmigen Flügeln, gleiten lange Strecken im schnellen, oft reißenden, Flug, haben einen kaum gegabelten Schwanz und sind fast einfarbig rußschwarz. Und dann die Stimme...


April: Die Löffelente

Die Löffelente zählt zu den Gründelenten. Im Gegensatz zu den Tauchenten verschwinden diese nicht gänzlich vonder Wasseroberfläche , sondern strecken den Kopf und Hals in Wasser („Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh'“) um so an Wasserpflanzen oder nährstoffhaltigen Schlamm zu kommen. Die Gründelenten zählen zu den schönsten und eindrucksvollsten Vogelgestalten in unseren Gefilden. Fast exotisch bunt oder von moderner Eleganz sind die meisten männlichen Gründelenten. Die Löffelente zählt dabei zu den buntesten und bizarrsten, denn ihr riesiger Löffelschnabel wirkt aus manchen Blickwinkeln schon grotesk. Wie alle Enten zeigt auch die Löffelente einen ausgeprägten Unterschied zwischen den Geschlechtern. Männchen und Weibchen sehen so unterschiedlich aus, dass man meinen könnte, sie zählen zu unterschiedlichen Arten. Allerdings verrät bei der Löffelente der bis zu sieben Zentimeter lange Schnabel natürlich die Artzugehörigkeit von Männchen und Weibchen eindeutig.

Im Ruhekleid sehen die Männchen bei allen Gründelenten fast so aus, wie die Weibchen. Enten mausern ihre Flügelfedern auf einmal, das bedeutet, dass sie für zwei bis drei Wochen ihre Flugfähigkeit verlieren. Die Flügelmauser findet nach der Brutzeit statt und dann sind die Enten sehr heimlich und drücken sich mehr im Röhricht herum. Auffallende Farben sind dann fehl am Platze und so legen die Männchen im Sommer ein Schlichtkleid an, das sehr dem Kleid der Weibchen ähnelt. Aber es gibt einen Trick für Vogelbeobachter: Die Flügel (Armdecken) behalten weitgehend ihre blaugraue Farbe und auf dem Rücken sind die Erpel dunkler, die Flanken sind rötlich und die Augen, sie werden ja nicht gemausert, sind gelb und nicht dunkel wie bei den Weibchen.


März: Der Steinkauz

Der Steinkauz ist der Gnom unter den heimischen Eulen. Seine aufmerksam nach vorne blickenden Augen und sein großes Gesicht geben fast menschliches Aussehen: er erinnert an einen zwergen- haften Kobold, wenn er knicksend und schaukelnd, Bücklinge macht und den Kopf dreht und wendet und Grimassen schneidet. Nicht umsonst nahm der größte Schelm Niederdeutschlands, Till Eulenspiegel, den urigen Nachtvogel, der unheimlich und belustigen zugleich ist, in seinen Namen auf.

Steinkäuze siedeln in Deutschland fast ausschließlich in zwei aneinander ähnlichen Lebensräumen. Zum einen sind dies die lockeren Gürtel aus Streuobstwiesen, welche die Dörfer umgeben. Hier finden sie in den alten, extensive genutzten Obstbäumen ausreichend ausgebaute Astlöcher und andere Höhlen zum Brüten und auf den kurz gehaltenen Grünland zwischen den Bäumen ausreichend Insekten, Mäuse, Regenwürmer. Zum anderen sind es – vor allem in Norddeutschland – Wiesenlandschaften, zum Teil weit entfernt von den menschlichen Siedlungen, mit reichen Kopfbaumbeständen und Zaunpfahlreihen. Die stark ausgehöhlten Kopfbaumveteranen, die eigentlich immer zusammen mit extensiver Grünlandnutzung (Viehweide, Mähweide) auftreten, bieten ideale Schlupflöcher und Ansitzwarten für die großäugige Kleineule. Dass solche Landschaften selten geworden sind, fällt jedem auf, der offenen Auges durch Mitteleuropa reist. Die Menschen, die dem Steinkauz vom Mittelmeer aus die Besiedlung Mitteleuropas einstmals ermöglichten, haben ihn aus vielen Landesteilen schon wieder vertrieben. Jetzt im März werden viele Steinkauz Paare mit der Brut beginnen.
Wer Steinkreuze sehen will, sollte Kontakt mit den örtlichen Naturschutzverbänden aufnehmen und dort freundlich nachfragen. Steinkäuze sind in Deutschland ohne engagierte Naturschutzarbeit kaum zu halten.


Februar: Die Schleiereule

Die räumliche Orientierung der Schleiereulen ist ein Wunderwerk. Beim Beutefang sind seltsamerweise die Augen der Eule geschlossen und auch das Töten der Beute durch einen Biss in das Genick oder Erdolchen mit den Krallen sowie das Zerreißen und Hinunterschlingen geschieht mit geschlossenen Augen. Die akustische Orientierung der Schleiereule ist so perfekt, dass sie die Augen bei diesen Operationen nicht zu öffnen brauchen; so geraten sie auch nicht in Gefahr, durch Abwehrbewegung der Beutetiere verletzt zu werden.

Die beiden Gehörgänge der Schleiereulenohren sind asymmetrisch angeordnet. Das führt dazu, dass das rechte Ohr am besten nach rechts oben, das linke Ohr am besten nach links unten hören kann. Geräusche erreichen nie beide Ohren gleichzeitig. Je nachdem, wo sich die Schallquelle befindet, erreichen die Schallwellen zuerst das linke oder das rechte Ohr und erst – wenn auch nur Sekundenbruchteile – später das andere Ohr. Die Differenzen werden von den Schleiereulen zu Orientierung ausgewertet. Ein weiterer Faktor kommt hinzu: Nicht nur das zeitliche Eintreffen der Schallquellen an den Ohren ist unterschiedlich, sondern auch die Lautstärke wird von den hochempfindlichen Eulenohren unterschiedlich wahrgenommen. Diese zweite Orientierungsmöglichkeit erlaubt der Schleiereule nicht nur die Bestimmung der Richtung, aus der ein Geräusch kommt, sondern auch die Berechnung der Entfernung. Alles an der Schleiereule ist auf Geräuschlosigkeit und Geräuschwahrnehmung ausgerichtet.

Wer die Schleiereule noch nie gesehen hat, sollte Kontakt mit den lokalen Landwirten aufnehmen, und dort nach Schleiereulen fragen. Mancher Bauer sieht die nächtlichen Mäusefänger gerne auf seinem Hof, und erlaubt den Vogelschützern dort einen Brutkasten aufzuhängen. Wenn man sich in Sichtweite der "Ulenluke" in der Dämmerung aufstellt und geduldig ist, sieht man die Eule, wie ein Geist, zur Jagd fliegen.


Januar: Der Haubentaucher

Bei kaum einem anderen Vogel ist das Balzspiel so gut und leicht zu beobachten wie bei den Haubentauchern, die in Deutschland häufig anzutreffen sind. Und dieses Balzverhalten hat es in sich! Grob unterscheidet man etwa sieben verschiedene Posen, zu denen auch einige komplexe Bewegungsabläufe gehören. Neben Kopfschütteln, Scheinputzen. Präsentieren von Nistmaterial unterscheidet man noch die Pinguinpose, bei der sich die Partner wassertretend Brust an Brust gegenüber stehen, die Geisterpose bei der ein Partner - für den Beobachter überraschend - plötzlich vor dem anderen aus dem Wasser auftaucht und die Katzenpose. Bei letzterer liegen sich die Taucher mit abgespreizten, gewinkelten Flügeln und gesträubten Hauben, den Kopf eingezogen, gegenüber. Schließlich ist noch die eigentliche Paarungsaufforderung des Weibchens zu erwähnen: eine der ganz wenigen Gelegenheiten, bei der man die Haubentaucher mehr oder weniger stehend beobachten kann. Haubentaucher bauen schwimmende Nester, die als große Haufen zwischen den Röhrichtstengeln verankert sind oder einfach auf schwimmenden Wasserpflanzen außerhalb der Röhrichtzone aufgeschichtet werden. Außer bei der Paarung sieht man den Haubentaucher nur in  Notfällen auf einem festen Untergrund stehen, so sehr ist er an das Leben im Wasser angepasst. Fast überflüssig zu erwähnen, dass er kein besonders wendiger Flieger ist. Als Bewohner der offenen Wasserfläche flüchtet er tauchend, nur selten ist er fliegend zu sehen. Bei den Haubentauchern und ihren Verwandten verbinden keine Schwimmhäute, wie sie etwa Enten oder Schwäne haben, die einzelnen Zehen, sondern jeder Zeh hat für sich »lappenartige« Verbreiterungen. Aus dieser morphologischen Besonderheit resultiert der Familienname „Lappentaucher“.