MINOX Naturgenuss

Werden Sie Fan von MINOX Naturgenuss  

Januar: DerHaubentaucher

Bei kaum einem anderen Vogel ist das Balzspiel so gut und leicht zu beobachten wie bei den Haubentauchern, die in Deutschland häufig anzutreffen sind. Und dieses Balzverhalten hat es in sich! Grob unterscheidet man etwa sieben verschiedene Posen, zu denen auch einige komplexe Bewegungsabläufe gehören. Neben Kopfschütteln, Scheinputzen. Präsentieren von Nistmaterial unterscheidet man noch die Pinguinpose, bei der sich die Partner wassertretend Brust an Brust gegenüber stehen, die Geisterpose bei der ein Partner - für den Beobachter überraschend - plötzlich vor dem anderen aus dem Wasser auftaucht und die Katzenpose. Bei letzterer liegen sich die Taucher mit abgespreizten, gewinkelten Flügeln und gesträubten Hauben, den Kopf eingezogen, gegenüber. Schließlich ist noch die eigentliche Paarungsaufforderung des Weibchens zu erwähnen: eine der ganz wenigen Gelegenheiten, bei der man die Haubentaucher mehr oder weniger stehend beobachten kann. Haubentaucher bauen schwimmende Nester, die als große Haufen zwischen den Röhrichtstengeln verankert sind oder einfach auf schwimmenden Wasserpflanzen außerhalb der Röhrichtzone aufgeschichtet werden. Außer bei der Paarung sieht man den Haubentaucher nur in  Notfällen auf einem festen Untergrund stehen, so sehr ist er an das Leben im Wasser angepasst. Fast überflüssig zu erwähnen, dass er kein besonders wendiger Flieger ist. Als Bewohner der offenen Wasserfläche flüchtet er tauchend, nur selten ist er fliegend zu sehen. Bei den Haubentauchern und ihren Verwandten verbinden keine Schwimmhäute, wie sie etwa Enten oder Schwäne haben, die einzelnen Zehen, sondern jeder Zeh hat für sich »lappenartige« Verbreiterungen. Aus dieser morphologischen Besonderheit resultiert der Familienname „Lappentaucher“.

Thomas Griesohn-Pflieger

Februar: Die Schleiereule

Die räumliche Orientierung der Schleiereulen ist ein Wunderwerk. Beim Beutefang sind seltsamerweise die Augen der Eule geschlossen und auch das Töten der Beute durch einen Biss in das Genick oder Erdolchen mit den Krallen sowie das Zerreißen und Hinunterschlingen geschieht mit geschlossenen Augen. Die akustische Orientierung der Schleiereule ist so perfekt, dass sie die Augen bei diesen Operationen nicht zu öffnen brauchen; so geraten sie auch nicht in Gefahr, durch Abwehrbewegung der Beutetiere verletzt zu werden.

Die beiden Gehörgänge der Schleiereulenohren sind asymmetrisch angeordnet. Das führt dazu, dass das rechte Ohr am besten nach rechts oben, das linke Ohr am besten nach links unten hören kann. Geräusche erreichen nie beide Ohren gleichzeitig. Je nachdem, wo sich die Schallquelle befindet, erreichen die Schallwellen zuerst das linke oder das rechte Ohr und erst – wenn auch nur Sekundenbruchteile – später das andere Ohr. Die Differenzen werden von den Schleiereulen zu Orientierung ausgewertet. Ein weiterer Faktor kommt hinzu: Nicht nur das zeitliche Eintreffen der Schallquellen an den Ohren ist unterschiedlich, sondern auch die Lautstärke wird von den hochempfindlichen Eulenohren unterschiedlich wahrgenommen. Diese zweite Orientierungsmöglichkeit erlaubt der Schleiereule nicht nur die Bestimmung der Richtung, aus der ein Geräusch kommt, sondern auch die Berechnung der Entfernung. Alles an der Schleiereule ist auf Geräuschlosigkeit und Geräuschwahrnehmung ausgerichtet.

Wer die Schleiereule noch nie gesehen hat, sollte Kontakt mit den lokalen Landwirten aufnehmen, und dort nach Schleiereulen fragen. Mancher Bauer sieht die nächtlichen Mäusefänger gerne auf seinem Hof, und erlaubt den Vogelschützern dort einen Brutkasten aufzuhängen. Wenn man sich in Sichtweite der "Ulenluke" in der Dämmerung aufstellt und geduldig ist, sieht man die Eule, wie ein Geist, zur Jagd fliegen.

Thomas Griesohn-Pflieger

März: Der Steinkauz

Der Steinkauz ist der Gnom unter den heimischen Eulen. Seine aufmerksam nach vorne blickenden Augen und sein großes Gesicht geben fast menschliches Aussehen: er erinnert an einen zwergen- haften Kobold, wenn er knicksend und schaukelnd, Bücklinge macht und den Kopf dreht und wendet und Grimassen schneidet. Nicht umsonst nahm der größte Schelm Niederdeutschlands, Till Eulenspiegel, den urigen Nachtvogel, der unheimlich und belustigen zugleich ist, in seinen Namen auf.

Steinkäuze siedeln in Deutschland fast ausschließlich in zwei aneinander ähnlichen Lebensräumen. Zum einen sind dies die lockeren Gürtel aus Streuobstwiesen, welche die Dörfer umgeben. Hier finden sie in den alten, extensive genutzten Obstbäumen ausreichend ausgebaute Astlöcher und andere Höhlen zum Brüten und auf den kurz gehaltenen Grünland zwischen den Bäumen ausreichend Insekten, Mäuse, Regenwürmer. Zum anderen sind es – vor allem in Norddeutschland – Wiesenlandschaften, zum Teil weit entfernt von den menschlichen Siedlungen, mit reichen Kopfbaumbeständen und Zaunpfahlreihen. Die stark ausgehöhlten Kopfbaumveteranen, die eigentlich immer zusammen mit extensiver Grünlandnutzung (Viehweide, Mähweide) auftreten, bieten ideale Schlupflöcher und Ansitzwarten für die großäugige Kleineule. Dass solche Landschaften selten geworden sind, fällt jedem auf, der offenen Auges durch Mitteleuropa reist. Die Menschen, die dem Steinkauz vom Mittelmeer aus die Besiedlung Mitteleuropas einstmals ermöglichten, haben ihn aus vielen Landesteilen schon wieder vertrieben. Jetzt im März werden viele Steinkauz Paare mit der Brut beginnen.
Wer Steinkreuze sehen will, sollte Kontakt mit den örtlichen Naturschutzverbänden aufnehmen und dort freundlich nachfragen. Steinkäuze sind in Deutschland ohne engagierte Naturschutzarbeit kaum zu halten.

Thomas Griesohn-Pflieger

April: Die Löffelente

Die Löffelente zählt zu den Gründelenten. Im Gegensatz zu den Tauchenten verschwinden diese nicht gänzlich vonder Wasseroberfläche , sondern strecken den Kopf und Hals in Wasser („Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh'“) um so an Wasserpflanzen oder nährstoffhaltigen Schlamm zu kommen. Die Gründelenten zählen zu den schönsten und eindrucksvollsten Vogelgestalten in unseren Gefilden. Fast exotisch bunt oder von moderner Eleganz sind die meisten männlichen Gründelenten. Die Löffelente zählt dabei zu den buntesten und bizarrsten, denn ihr riesiger Löffelschnabel wirkt aus manchen Blickwinkeln schon grotesk. Wie alle Enten zeigt auch die Löffelente einen ausgeprägten Unterschied zwischen den Geschlechtern. Männchen und Weibchen sehen so unterschiedlich aus, dass man meinen könnte, sie zählen zu unterschiedlichen Arten. Allerdings verrät bei der Löffelente der bis zu sieben Zentimeter lange Schnabel natürlich die Artzugehörigkeit von Männchen und Weibchen eindeutig.
 
Im Ruhekleid sehen die Männchen bei allen Gründelenten fast so aus, wie die Weibchen. Enten mausern ihre Flügelfedern auf einmal, das bedeutet, dass sie für zwei bis drei Wochen ihre Flugfähigkeit verlieren. Die Flügelmauser findet nach der Brutzeit statt und dann sind die Enten sehr heimlich und drücken sich mehr im Röhricht herum. Auffallende Farben sind dann fehl am Platze und so legen die Männchen im Sommer ein Schlichtkleid an, das sehr dem Kleid der Weibchen ähnelt. Aber es gibt einen Trick für Vogelbeobachter: Die Flügel (Armdecken) behalten weitgehend ihre blaugraue Farbe und auf dem Rücken sind die Erpel dunkler, die Flanken sind rötlich und die Augen, sie werden ja nicht gemausert, sind gelb und nicht dunkel wie bei den Weibchen.

Thomas Griesohn-Pflieger