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Januar

Das Thema Wildbret und Drückjagd(en) treibt mich, Anfang Januar auf einem Drückjagdbock bei Freunden sitzend, gerade wieder um. Viele Überlegungen diesbezüglich haben meine Familie und ich in den vergangenen Jahren angestellt, um die Qualität des wunderbaren Fleisches in unserem Jagdbetrieb bestmöglich zu sichern.

Zunächst reglementierten wir die Länge unserer Jagden! Dreieinhalb bis vierstündige Drückjagden gehören längst der Vergangenheit an. Warum? In den ersten zwei bis zweieinhalb Stunden wurde die Musik gemacht, der Rest war einfach nur noch Überlänge. Dies betraf nicht nur unsere Jagden, sondern auch viele andere, bei denen ich zu Gast sein durfte. Sicherlich, auch Sie oder ich haben schon einmal das berühmte Fünf-Minuten-vor-Jagdende-Stück erlegt, aber wie oft? Achten Sie doch bitte einmal darauf, wenn Sie zu einer langen Drückjagd eingeladen sind, was sich gegen Ende substanzielles noch tut. Zählen Sie doch bitte nur die Schüsse in der letzten halben Stunde einer beispielsweise dreieinhalbstündigen Drückjagd.

Die deutliche Verkürzung der Jagdzeit bescherte uns keine sonderlichen Streckenrückgänge! Auch hier sei die Schussfrequenz noch einmal ins Feld geführt: Wie oft haben Sie oder ich in der ersten halben Stunde Beute gemacht. Da lagt dann das Stück Rot- oder Rehwild und ich konnte mir in der Folgezeit mit ansehen, wie es langsam aber stetig zum Ballon wurde. Oder mir misslang der Schuss, der Pansen war getroffen. Es macht meines Erachtens schon einen Unterschied aus, dieses Tier nach ca. drei Stunden auszuspülen, als es nach schlussendlich über viereinhalb Sunden (oder länger) anfassen zu können.

Stichwort Ausspülen: Im nächsten Schritt wird nur noch zentral aufgebrochen. Ob Einzel- oder Gesellschaftsjagd: Mit erlegtem Wild geht es zügig zurück auf den Hof, wo Licht und Wasser und helfende Hände zur Verfügung stehen. Dort wird, sollen Tiere weiter transportiert werden, grundsätzlich geringelt, immer aber ausgespült und die Tiere an den/die Haken gehängt. Aufgebrochen wird stets bequem auf Aufbrech-Tischen oder – bei Waidwundschüssen generell – über Kopf.

Ein kurzer Einschub: Das zentrale Aufbrechen offenbart schon am Jagdtag und am Tag danach für mich weitere Vorteile: Statt in einem Wald voller Aufbrüche mit meinen BGS Nachsuchen zu müssen, werden zahlreiche Verleitungen und „Störungen“ der Hundenase vermieden.

Mancher mag hier die Nase rümpfen: Bei uns gibt es nur noch Strecke-Hängen, statt Streckelegen. Maximal ein Vertreter jeder Schalenwildart wird noch zur Strecke gelegt, der Rest hängt beim Verblasen bereits am Haken. Fackeln, Bruchübergabe, Hörnerklang – das mache ich alles gerne mit und möchte darauf auch nicht verzichten.

Zu guter letzt: Generieren Sie Wildbret, wenn der Markt dafür geeignet ist: November & Dezember! Mein Jagdfreund hat es nach dieser Januar-Drückjagd sicherlich schwer, sein Wildbret zu vermarkten ...

Peter Burkhardt

Dezember- Die „hohe Zeit des Wildbrets“


Landwirt Werner war schon im letzten Revierkalender großes Thema – mit seiner Wiederbelebung der Niederwildbesätze und der ersten Treibjagd nach langen Jahren. War im November nur positives zu verkünden, offenbarte uns Bauer Werner im Dezember eine schlechte Nachricht: „Das mit Eurem Wildbret hat ein Ende, ich bin zu alt, ihr müsst nun selber die Tiere verarbeiten“. Der Hintergrund: Werner und seine Frau haben neben der landwirtschaftlichen Arbeit mehrere Jahre hinweg – nur für privat – unser Wildbret veredelt. Unser Wildbret bedeutete, dass beide sich der Beute weniger umliegenden Reviere angenommen haben. Wurst entstand, Hackfleisch, ins Vakuum wurde gezogen ... Nun seine altersbedingte Absage.

Was tun? Wir vier betroffenen Revierinhaber konnten ihn zunächst zur Weitergabe seines Wissens überreden. Mehrere Nachhilfestunden in seinen Kühlräumen waren die Folge. Unter anderem wurden wir in der Herstellung einer einfachen Wurst unterwiesen, bekamen mehrere Stunden Nachhilfeunterricht in Sachen Räuchern usw. Doch neben dem „know how“ fehlten uns diverse Gerätschaften.

Sicher, wir werden noch manche Schlappe erleben. Aber unsere Begeisterung ist groß und eines ist sicher: Das exzellente Produkt Wildbret gehört vernünftig verarbeitet! Wie wichtig dieser Aspekt ist, verdeutlicht uns immer wieder die Weihnachtszeit. Gerade in dieser Zeit werden wir vier angesprochen, ob nicht noch ein Weihnachtsbraten verfügbar wäre. Der sauber zerwirkte und vakumierte Rücken ist dann problemlos an die Hausfrau von nebenan absetzbar, dass Rehlein im Stück ganz sicher weitaus schwieriger. Und noch etwas trieb und treibt uns Hobbyschlachter um: Wir sehen nicht ein, das einzig der Winter, insbesondere der Dezember, die „hohe Zeit des Wildbrets“ sein soll. So wir unsere Fähigkeiten weiter verbessern können, wollen wir Wild auch zu anderen Jahreszeiten besser etablieren. Begriffen wie „Angrillen“ oder Schaschlik-Spieße machten beim letzten „Gruppenmetzgern“ in kleiner Gruppe schon die Runde.

Nein, wir werden niemals den Metzgern in der Region Konkurrenz machen. Wir möchten lediglich für uns Wild veredeln und von unseren überschaubaren Strecken wenige (!) Stücke qualitativ gut verarbeitet an die Nachbarschaft abgeben können. Mehr nicht. Dennoch ist das schon viel, stellen wir in den letzten Jahren fest, dass nicht nur das große Sterben der Dorfkrüge eingesetzt hat (früher hatte jedes Dorf eine Schänke), sondern dass auch immer mehr kleine und kleinste Betriebe auf dem Lande schließen. Dies betrifft beispielsweise Bäcker ebenso, wie die klassische Landschlachterei. Auch hier geht – so würde Werner wohl wieder formulieren – „jede Menge Kulturgut verloren“.

Peter Burkhardt


Das Jagdrevier im November


Gesellschaftsjagd!

15 Jägerinnen und Jäger treffen sich an einem herbstlich-sonnigen Samstag zur Treibjagd auf dem Bauernhof von Landwirt Werner. Drei Stunden und zwei kleine Treiben schließen sich an, es wurde ein herrlicher Tag. Lange musste ich so etwas missen, nun war ich mal wieder dabei – wenngleich als Treiber. Als Treiber? Jawohl, ich bin mit der Flinte ( ich sehe schon Ihre Gesichter bei der Lektüre dieser Zeilen!) gelinde gesagt aus dem Training. Ja, ich habe vor mehreren Jahren meine Flinten verkauft!

Jagdgelegenheiten? Fehlanzeige! Freude bei der Bejagung von Hühner und Hasen? Fehlanzeige! Es machte allen, Werner eingeschlossen, keine Freude mehr.

Aber Werner, ganz resoluter Agronom, wollte sich nicht damit abfinden. Fangjagdkurs und Fallenjagd folgten, Krähenbejagung, Biotopverbesserungen. Jede Menge Gespräche führte er, insbesondere mit seinen Standeskollegen. Der Jagdvorsteher wurde in die Pflicht genommen, der Bürgermeister ebenso. Mehrere Jahre dauerte es, aber Werner hatte Stehvermögen.

„Jagd auf dem Land ist ein Kulturgut“ und „fehlendes Niederwild, Bodenbrüter und das Verschwinden von Blumen sowie Schmetterlingen ist eine Schande für unsere Region“ – dies sind nur zwei Sätze von ihm, die mir in Erinnerung geblieben, sind (Werner ist wahrlich weit davon entfernt, ein „Okö“ genannt zu werden!). Und noch eine Partie holte er sich ins Boot: Die Kulturreferentin der Verwaltung und den dortigen Leiter der Tourismus-Verwaltung! Mit Bildern aus anderen Regionen schuf er Verständnis „für das Kulturgut“,  organisierte eine Naturfoto-Ausstellung (nur heimische Fotografen und Motiven) pries die Bedeutung intakter Natur auch für den Tourismus.

Nun diese wunderschöne kleine Treibjagd. Zufrieden war Werner: Mit der kleinen, aber bunten Strecke, der Resonanz über den jagdlichen Kreis hinaus sowie einer gewissen Wiederbelebung der Dorfgemeinschaft.

Abends wieder daheim, überlege ich seit langem wieder, ob ich mir nicht erneut eine Flinte zulegen sollte. Erst einmal wieder kräftig üben, üben, üben und dann zur Jagd. Nein, nicht auf Werners Hasen und Fasanen. Bei seiner Jagd auf Krähen, da könnte ich mich nützlich machen ...

Peter Burkhardt


Das Revier im Oktober


Feldreviere

Wie leer doch viele Reviere nun bereits erschein. Das Getreide fehlt vollständig, gelegentlich hier und da Zwischenfrüchte, aber auch sie müssen noch wachsen. Da hinten mäht zum Monatsanfang ein Landwirt ein letztes Mal seine Wiese. Dort will ich ansitzen, suchen doch oft nach der Mahd Wildschweine diese Flächen auf. Aber nicht nur sie: Auch alles Raubwild schätzt offene Mäusegänge, Bodenverwundungen und das nun gut erreichbare Gewürm.

Wo es Hangneigung, örtliche Windverhältnisse und Kugelfang zulassen, habe ich mich stets in einem Erdschirm besser aufgehoben gefühlt, als in einer hohen Kanzel. Auch dort unten können Sie es sich bequem und leise einrichten: Der Boden wir mit einer etwa zehn Zentimeter hohen Schicht Sägemehl überdeckt haben. Kein verkrusteter Schuh, keine Patrone und kein heruntergefallenes Feuerzeug verursachen so noch Lärm. Ein mit Kaff gefüllter Jutesack vervollkommnet unseren Ansitzluxus.

Eine Einladung zu Gesellschaftsjagd steht an, die erste in diesem Jahr! Schon frühzeitig hatten die Jagdpächter mit die Planung der Treibjagd begonnen. Hasen, Fasanen und Enten wollen sie in diesem Jahr bejagen. Kontrollen im September ergaben, dass auch Fasanen und Hasen mit ruhigem Gewissen der Bejagung freigegeben werden. Der Hauptpächter hatte schließlich zwölf Schützen eingeladen, gerade soviel, dass alle geladenen Gäste gut zu Schuss gebracht werden können.

Glücklich derjenige, der noch eingesprengte Feldgehölze in seinem Revier hat. Dort, abseits der Wege, finden Hase und Reh ein Rückzugsgebiet. Auch das Federwild schätzt diese letzten Inseln in unserer Kulturlandschaft. Da sich viele Tiere dorthin flüchten, fehlt auch das Raubwild nicht, ja, wir kommen immer wieder zu diesem Thema zurück. Die Praktiker wissen dies und versehen ihre Feldgehölze mit Fallen.

Ein letzter Blick über das Niederwildrevier: Gilt Ihr Augenmerk auch den Böcken, die nur noch an wenigen Tagen jagdbar sind. Und danach? Bitte, verfahren Sie dann nicht zögerlich mit der weiteren Bejagung des Rehwildes.

Waldreviere

Bei der Bejagung des Rehwildes versuchen die Jäger rechtzeitig alle schwachen Stücke zu erlegen. Auch dies ist eine Form der „Fütterung der übrigen“, denn so werden Nahrungsengpässe gemildert. Und wie oft hatten wir uns im Wald viel vorgenommen, dann noch gewartet, gezögert und schlussendlich dann nicht mehr genug Stücke bekommen. Mehr noch: Mit jedem früh erlegten Stück können wir den Druck auf die verbleibenden Stücke mindern, Wildschäden rechtzeitig begegnet und vor allen Dingen eine frühe Jagdruhe im Winter ermöglichen!

Jetzt, im Oktober beginnend, kontrollieren wir ständig die Kondition des gestreckten Schalenwildes. Je mehr die Nieren im Feist liegen, je besser ist die Kondition jedes einzelnen Tieres. Die Beschaffenheit der Decke, Feistvorräte unter der Decke oder Schwarte und das Gewicht sind für ein Gesamturteil von Bedeutung. Spät gesetzte Kälber und zur Unzeit gefrischte Schweine erlegen wir nun besonders gern. Gerade solche Tiere sollten entnommen werden, daraus wird nichts mehr – Gewicht und Kilozahl hin oder her.

Schwarzwild ist im Walde gern gesehen. Wir erwarten in diesem Herbst eine gute Mast, so dass in einigen Regionen – der Feldjäger wird es danken – die Schwarzkittel stark von Eicheln und Bucheckern gebunden werden. Aber auch anderes Wild reagiert auf diese Gaben. In Waldrevieren erleben wir dann häufig, dass sich Wild sehr lange und stark konzentriert auf kleinem Raum aufhalten kann.

Nun muss ich schließen, ich will raus und die Damwildbrunft erleben ...

Peter Burkhardt

Die Brunft des Rotwildes


Viele Jahre Beobachtungen der Rotwildbrunft lassen sich nicht einfach bündeln. Zu unterschiedlich sind die Hirsche, zu unterschiedlich die Reviere. Eine Brunft im Hochgebirge verläuft anders, als eine in den Auwäldern der Niederungen. Nicht nur die Termine verschieben sich, auch der Brunftverlauf und dessen Dauer variiert. Gibt es dennoch bestimmte Hirschtypen, die überall auftreten? Der Versuch einer Zusammenfassung, ausdrücklich ohne Anspruch auf absolute Gültigkeit – denn Hirsche bleiben Unikate!
Anfang September leiten bei uns oft gerne jüngste Hirsch die Brunft ein. In der Stimmlage Tenor versuchen sie mehr schlecht als Recht einen Brunftruf von sich zu geben und merken dabei gar nicht, dass sie vom Kahlwild nicht ernst genommen werden. Wie könnten die Tiere auch, wenn irgendein noch im Stimmbruch befindlicher junger Kerl versucht, den Herrscher zu spielen.
Häufig stellt der Betrachter des Geschehens fest, dass zu diesem Zeitpunkt wohl noch gar kein weibliches Stück paarungsbereit ist, das Werben geht ins Leere. Schreitet die Brunft aber fort, wird die Lage wird ernster. Erste Stücke werden brunftig – und siehe da, ein mittel alter Zwölfer übernimmt das Regime und hat den Harem konfisziert.

Die „Mittelklasse“ dominiert jetzt die Rudel – körperlich fast ausgereifte Hirsche, aber eben nicht die „richtig“ alten Herren, künden lautstark davon, in diesem Jahr Beherrscher dieses Rudels zu sein. Drei Umstände sind oft für diese Phase signifikant: Große Rudel, die von einem Hirsch dominiert werden. Haben diese „Vielschreier“ die Fraktion der gerne großen Jünglinge noch kampflos durch Imponieren übernommen, kommt es jetzt schon zu gelegentlichen Raufereien mit Vertretern ihrer Altersklasse. Und: Diese Hirsche sind nahezu ununterbrochen am schreien. Sie röhren, immerhin schon in der Mehrzahl in der Stimmlage „Alt“, was die Lungen hergeben.

Wenn immer mehr Tiere brunftig werden, übernehmen die eigentlichen (besser: tatsächlichen) Platzhirsche das Regiment. Nunmehr halten es die alten Recken für gegeben, anzuzeigen, wer der wahre Herrscher des Rudels ist. Den ein oder anderen sahen wir bereits über eine Schneise ziehen, doch bis dato nahmen sie zu den Brunftrudeln noch keinen Bezug. Das ändert sich jetzt! Noch etwas ändert sich nun: Interessanterweise reduzieren sich oft die Rudelgrößen. Motto: Lieber diese Tiere sicher, als viele Stücke ohne volle Kontrolle. Diese Phase der Hochbrunft dauert oft nur ca. sieben bis zehn Tage, jetzt kulminiert das Brunftgeschehen und wir sind jetzt endlich bei der Stimmlage Bass angekommen! Ja es gibt sie noch, die uralten Recken. Typisch für diese Herren ist deren Wahl kleinster Kahlwildrudel, ja gelegentlich einzelner Tiere. Statt sich in große Schlachten zu stürzen, scheinen die Recken mit einem sehr kleinen Harem vorlieb zu nehmen. Haben sie ihre wenigen Stücke „weg gehütet“, stellen sie sich in die ruhigsten Ecken. Hier lässt sich einmalig beobachten, wie nicht mehr ein Leittier führt, sondern der uralte Hirsch wie ein Hütehund sein Kleinstrudel beisammen hält und diesen überschaubare Harem oft tagelang an den ihn genehmen Orten bindet. Große Wanderungsbewegungen? Fehlanzeige!

Großes Geschrei? Ebenfalls Fehlanzeige! Im Gegensatz zu allen vorher genannten Herren, ist ihnen die Heimlichkeit ihres Lebens- und Liebesstils derart wichtig, dass sie sich nur noch sehr selten vernehmen lassen. Hier findet man die „Grantler“ und „Grummler“, deren Lautäußerungen man nur zufällig oder ein ganze Brunftperiode nahezu gar nicht vernimmt.

Peter Burkhardt

Die Jagd im August

Im Feldrevier

Die Ernte schreitet voran. Jeder abgeerntete Schlag wird umgehend zum Tummelplatz diversen Raubwildes, der Rabenvögel und, wo vorhanden, des Schwarzwildes. Wann immer es sich einrichten lässt, setzen Sie sich bitte am Abend nah der Ernte oder am folgenden Morgen/Abend dort bitte an. Insbesondere Schläge, auf denen die Landwirte noch Stoppeln stehen ließen, werden passionierte Nimrode jetzt in der Dämmerung und in der Nacht fündig. Noch sind die Nächte ja relativ lang, hier gibt es reelle Chancen, zu Schuss zu kommen.

Ebenso nimmt die Blattzeit des Rehwildes an Fahrt auf. Das Blatten (scheint es nur so?) auf größere Entfernungen gerät häufiger zum Erfolg. Wechselwillige Herren nehmen zu, alte (Rehbock-) Reviergrenzen bröckeln und die Streifzüge der Böcke werden flächiger. Nie erlebt man mehr Überraschungen mit Rehböcken, als in dieser Zeit. Unbekannte, längst verschollene, todgeglaubte, Rückkehrer, Überraschungsgäste: Die Gespräche an den Jägerstammtischen offenbaren und dann später, wie unberechenbar und immer wieder verblüffend die zweite Hälfte der Blattzeit sein können.

Die Flinte kommt im Feldrevier auch vermehrt zu ihrem Recht. Taubenjagd auf immer mehr abgeernteten Feldern, Lockjagd auf Krähen und Elstern – die Chance und Möglichkeiten steigen! Doch schon richtet sich der Blick weiter nach vorn: Wie steht es um die Enten im Revier, wo kamen im letzten Jahr gut Gänse zur Strecke? Wie steht es um die Hasen? Die Entenschirme an den beiden besten Teichen werden gewartet und repariert, die Gänseliegen inspiziert, Fasanenschütten beschickt … Der Herbst steht vor da Tür, für die jagdintensive Zeit wollen wir vorbereitet sein. 

Einige Zeit im August verbringen wir mit den Fallen und -steigen. Da wird ebenfalls ausgebessert, geharkt, Instand gesetzt, beködert. Von der kleinen Taubenjagd wandern die Innereien Richtung Fangplätze, Rehwildaufbrüche werden am Luderplatz vergraben. Die Fangsaison, wir setzen hier bei uns auf Kastenfallen und Fangbunker, soll gelingen. Daher die Intensivierung und auch hier der Blick bereits nach vorn in den Herbst.

Unterbrochen werden diese Tätigkeit immer wieder von der Wildschadensabwehr. Möglichst jedes Abernten der Felder versuchen wir zu begleiten, wenn es unsere Zeit den zulässt. So erlegten wir schon bei der Rapsernte drei Schwarzkittel und aus dem Haferschlag kamen im Zuge des Ernteprozesses neben einem Keiler auch erstaunliche fünf Füchse heraus. Drei haben wir immerhin bekommen, waren wir doch wieder viel zu wenig Schützinnen und Schützen. Ja, die Zeit ... 

Im Waldrevier

Apropos Zeit: Im August machen wir – was die Palette unseres Wildes mit Jagdzeit angeht – einen gewaltigen Sprung nach vorn! Rothirsche gehen auf. Wo anfangen? Versuchen wir uns einen Überblick „von unten nach oben“ zu verschaffen:

In den Niederungen, z.B. in meiner niedersächsischen Region, kann es sein, dass die Rothirsche alsbald ihre Sommereinstände verlassen und wegziehen. Hier stehen (s.o.) zudem nun Umbrüche in der Feldmark drumherum an, was vieles Wild veranlassen könnte, wieder in den Wald zurück zu wechseln. „Jeder abgeerntete Maisschlag bedeutet eine Rotte oder ein Rudel wieder zurück“, formulierte es ein Jagdfreund einmal. Ähnlich erging es uns auch mit anderem Getreide. Schwindet die Deckung draußen, wird das Wald als Lebensraum wieder attraktiver. Damhirsche, deren Geweihe wir eben noch im Getreidefeld ausmachen können, fegen. Auch sie werden nach und nach die sich leerende Feldflur in Richtung Wald verlassen. Sind wir auf diese Entwicklungen vorbereitet?

Auch in mittleren und höheren Lagen ein Thema: Der eingangs zitierte Tourismus und die beginnenden Wechselbewegungen des Wildes. So Sie nicht über ein Revier verfügen, dass ganzjährig Rothirsche aufweisen kann: Wann beginnen bei Ihnen die ersten Rothirsche in die Brunftreviere abzuwandern? Gegen Ende des Augusts? Erst im September? Bei uns treffen neue Herren gegen Monatsende bereits ein, auch das bereichert den August in unserem Waldrevier.

Die Blattzeit ist natürlich auch im Wald spannend. In dieser Zeit hole ich regelmäßig ein Buch aus dem Regal: „Über Rehe in einem steirischen Gebirgsrevier“ nennt sich das Werk von A. Von Bayern. Die Bilder und Beschreibungen darin machen immer wieder Lust auf die Rehbockjagd im Gebirge, insbesondere zur Blattzeit. Wer es noch nicht gelesen hat: Das Buch ist immer wieder jung und die Beschreibung von guten Blattjagdständen mehr als lehrreich. Wie oft standen sie „mittendrin“, im Dunklen, kaum Schussfeld. Aber dort sprangen die Böcke breitwillig!

Peter Burkhardt