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Bannertier im Mai: Die Zauneidechsen

Unter den drei bei uns noch häufigeren Eidechsenarten ist die Zauneidechse die größte und kräftigste. Zauneidechsen können im Gegensatz zu Mauer- und Waldeidechse immerhin bis 25 Zentimeter lang werden. Aber am besten erkennt man sie an der kräftigen Gestalt, der stumpfen Schnauze, ihrem großen Kopf und den charakteristischen hellen Rückenstreifen sowie den dunkelbraunen Rückenflecken. Die Männchen sind außerdem an den grünen Flanken einfach zu erkennen.

Beobachtungstipp
Leider ist die Zauneidechse vielerorts - vor allen in dichter besiedelten Gebieten - selten geworden. Wo es sie aber noch gibt, verlassen die Zauneidechsen bei steigenden Temperaturen meist Ende März, Anfang April ihre Winterquartiere. Wie alle Reptilienarten können Zauneidechsen ihre Körpertemperatur nicht unabhängig von der Umgebungstemperatur regulieren. Sie müssen daher von der Sonne auf Betriebstemperatur aufgewärmt werden, müssen sich andererseits aber auch vor Überhitzung schützen. Kundige Beobachter wissen das und gehen in den Morgen- und  Abendstunden zur Eidechsenbeobachtung. Besonders in den nicht zu heißen Frühlingstagen hat man in von Eidechsen besiedelten Gebieten gute Chancen die kleinen Drachen mit ihren Saurierköpfen zu beobachten. Am besten sucht man dazu strukturierte Waldrändern oder Böschungen auf. Oft leben die Zauneidechsen in Hecken mit Asthaufen, Steinhaufen oder Trockenmauern. Man geht im langsamen Spaziergangtempo entlang dieser bandförmigen Landschaftsstrukturen und achtetet auf schnelle Bewegungen oder kurzes Rascheln. Bemerkt man solches, bleibt man stehen und mit etwas Glück erscheint die Echse schon nach wenigen Minuten wieder und sucht ihren „Platz an der Sonne“ wieder auf.

Sie lieben Verstecke
In Mitteleuropa beginnt die Überwinterung, sobald ausreichend Energiereserven angelegt wurden, meist sind die Temperaturen dann noch durchaus Eidechsen freundlich. Männchen ziehen sich meist schon im  August zurück, dann folgen die Weibchen und zuletzt verschwinden die Jungtiere im September oder Oktober. Auch bei schlechtem Wetter und nachts verstecken sich die Tiere unter Steinen und Totholz oder in Mäuselöchern.
Im Gegensatz zur lebendgebährenden Waldeidechse legen Zauneidechsen Eier. Meist im Juni oder Juli suchen die Weibchen eine Stelle, an der sie ihre fünf bis neun Eier vergraben können. Kahle, südexponierte und sandige Flächen, die von der Sonne gut erwärmt werden aber auch nicht zu heiß werden, sind ideal, aber leider auch sehr selten geworden. Die Nitratdüngung aus der Luft sorgt in und am Rande der Ballungsgebiete für ein überbordendes Pflanzenwachstum, was kaum noch vegetationsfreie Flächen zulässt.  Nach zwei bis drei Monaten, im August oder September, schlüpfen die Jungtiere.

Züngelnd auf Jagd
Neben den Landschaftsveränderungen durch menschliche Eingriffe und der Überdüngung leiden viele der Eidechsenpopulationen in Siedlungsnähe durch Hauskatzen an Ausdünnung und verschwinden schließlich ganz. Bei Bedrohung können Zauneidechsen, wie ihre Verwandten auch, einen Teil des Schwanzes an einer von mehreren „Sollbruchstellen“ abwerfen, der Fressfeind wird von dem zuckenden Schwanzteil abgelenkt. Das rettet die Eidechse für den Augenblick, macht sie aber langsamer und weniger beweglich für die Zukunft.  Der Schwanz wächst zwar nach, bleibt aber stumpfer und kürzer.
Das Verbreitungsareal reicht von Zentralfrankreich über ganz Mittel- und Osteuropa sowie Südschweden, über das Baltikum bis zur Südspitze des Baikalsees im äußersten Osten. Die Britische Hauptinsel wird nur punktuell im Süden bewohnt. Im Süden erreichen die Zauneidechsen die Pyrenäen, die Alpen, die südliche Balkanhalbinsel und den Kaukasus.
Auf der Jagd gebrauchen die Zauneidechsen ihren Geruchssinn und sind daher oft züngelnd unterwegs. Mit der Zunge werden Geruchsstoffe zum Geruchsorgan, dem so genannten Jakobsonschen Organ gebracht. Sie können aber auch ihrer Beute, Insekten und andere Kleintiere aller Art, regungslos auflauern.

Unordnung hilft
Wer den Zauneidechsen helfen will, muss ihren Ideal-Lebensraum nachbauen: Gut besonnte Standorte wie Böschungen und Waldränder mit vielen Versteckmöglichkeiten wie Hecken, Stein- und Asthaufen oder verfilztes. Etwas Unordnung auf engem Raum ist also genau das, was Zauneidechsen lieben.

Viele gute Fotos, sowie Beobachtungen, Karten und weitere Informationen findet man unter http://www.naturgucker.de/?art=zauneidechse

Thomas Griesohn-Pflieger

Bannertier im April: Das unbekannte Blässhuhn

Das Blässhuhn kennt eigentlich jeder, auch wenn er nicht unbedingt dessen Namen nennen kann. Als Bewohner von unterschiedlichsten Gewässertypen, wie Seen, größere Flüsse, Parkteiche und andere Ziergewässer, geht es zumindest in Mitteleuropa den Menschen kaum aus dem Weg. Im Winter lassen sich auch größere Ansammlungen auf fast vegetationsfreien Baggerseen und Stauseen beobachten. Dann werden die heimischen Blässhuhnbestände verstärkt durch Vögel aus dem Osten und Norden des Kontinents.

Nicht wirklich bunt, aber auch nicht einfarbig!
Wir nehmen die Blässhühner, oder Blässrallen wie sie taxonomisch korrekt heißen würden, als schwarze Vögel wahr, die eine weißen Schnabel und darüber eine Blässe haben, die ihnen den Namen gegeben hat. Aber bei genauerem Hinsehen lassen sich Details erkennen, die das Schwarzweiß-Bild, was wir von diesen Vögeln haben, verblassen lassen. So schimmert das Gefieder von Altvögeln bräunlich bis olivfarben und wir können erkennen, dass Kehle und unterer Hals dunkler gefärbt sind. Nur Kopf und Hals sind tatsächlich samt-schwarz. Die Unterseite der Blässhühner, die man bei schwimmenden Vögeln ja nicht sieht, ist grau bis graubraun gefärbt. Im Flug wird deutlich, dass die braunschwarzen Handschwingen weißliche Spitzen tragen, die äußerste sogar einen feinen weißen Außensaum. Und am Hinterrand des Armflügels erkennt man im Flug einen weißen Rand. Auch die unbefiederten Körperteile sind „bunt“: Die Läufe sind hell aschgrau oder blass grünlich gelb, das Fersengelenk wird mit zunehmendem Alter kräftiger goldbraun. Die Zehen und beeindruckend breiten Schwimmlappen dagegen sind bleich olivfarben mit schmutzig blaugrünen Gelenken. Und was kaum jemand sieht: Die Augen sind rot.

Hübsch-hässliche Küken
Jugendliche, unausgefärbte Vögel lassen sich leicht erkennen, ihre Oberseite braunschwarz gefärbt, grauweiße  Bereiche am Kopf sowie an der Kehle, am unteren Hals und der Brust lassen sei schnell von den adulten, den ausgefärbten Vögel unterscheiden. „Hübsch-hässlich“ (Heinz Rühmann) sind die Küken! Sie ähneln kleinen Teufeln mit roten stacheligen Köpfen und einem schwarzen Dunenkleid, aus dem die unbefiederten Flügel wie hakige Ärmchen herausstehen.

Blässhühner besiedeln ein großes Areal, das die gemäßigten Zonen von Europa und Asien sowie der Australregion umfasst. Zur Nestanlage benötigen sie eine ausreichende Ufervegetation, die nicht unbedingt aus einer Röhrichtzone bestehen muss, sondern es reichen oft auch Weidenbüsche, deren Äste in das Wasser ragen. Ihr großes Verbreitungsgebiet sowie die relative Anspruchslosigkeit an den Lebensraum lassen vermuten, dass die Blässhühner Generalisten sind, die nicht auf auf eine bestimmte Nahrung oder einen besonderen Nahrungserwerb spezialisiert sind. Sie fressen fast alles Organische, wie Pflanzenteile, Muscheln,  Schnecken, Insekten und selbst kleine Fische werden gefangen. Sie können einigermaßen tauchen, sind aber für lange Tauchgänge nicht geeignet und „ploppen“ wie Korken zurück an die Wasseroberfläche. Oft werden Nahrung suchende Blässhuhnschwärme von Möwen heimgesucht, die den auftauchenden Vögeln, die Nahrungsbrocken, wie zum Beispiel Muscheln aus dem Schnabel stehlen. Selbst Schnatterenten haben sich regional auf dieses Schmarotzen spezialisiert.

Papa baut Familiennester
Blässhühner führen eine monogame Saisonehe. Erfolgreiche Paare bleiben aber manchmal jahrelang zusammen. Die oft schwimmend angelegten Nester dienen auch noch nach dem Flüggewerden dem Nachwuchs als Plattform zum Schlafen. Meist sind sogar spezielle Ruhenester für die Familie vom Männchen angelegt worden. Die Jungen werden bis zu fünf Wochen von beiden Eltern geführt, wobei eine Aufteilung der Jungenschar stattfindet und jeweils die Mutter und der Vater nur „ihre“ Jungen versorgen.
In Freiheit können Blässhühner bis 20 Jahre alt werden. Das Blässhuhn zählt immer noch zu den jagdbaren Vogelarten und kann im Winter (September bis Februar) geschossen werden. Die Jagdstrecke alleine in NRW schwankt um die 3000 geschossene Rallen im Jahr. Naturschutzverbände wie der NABU fordern ein Jagdverbot der Blässhühner und ihre Löschung aus der Liste der jagdbaren Arten.

Thomas Griesohn-Pflieger

Bannertier im März: Die Wasseramsel

Die Wasseramsel ist der einzige Singvogel bei uns, der auch schwimmen und tauchen kann. Ihr englischer Name "Dipper" weist darauf hin, dass sie häufig den Kopf ins Wasser steckt um unter Steinen nach Insektenlarven zu suchen. Sie kann auch, meist läuft sie dabei gegen die Strömung, ganz unter Wasser tauchen und sogar kleine Fische fangen.

Sie ist etwas kleiner als eine Amsel, mit der sie nicht näher verwandt ist. Wasseramseln sind keine Drosseln, wie es Amseln sind, sondern eben Wasseramseln, die eine eigene Familie bestehend aus fünf Arten bilden. Wasseramseln kommen in Asien, Europa, Nordafrika und Amerika vor. Vermutlich ist die teilweise Namensgleichheit auf die den Drosseln ähnliche Gestalt und den zwitschernden Gesang zurück zu führen. Hier ist immer von der europäischen Wasseramseln Cinclus cinclus die Rede. Alte Wasseramseln sind unverkennbar gefärbt, die Jungen dagegen können verwirren, denn ihnen fehlen zunächst alle Brauntöne. Sie sind unter der grauen Oberseite auf hellem Grund grau gebändert. Wasseramseln leben an schnell fließenden Flüssen und Bächen mit kaltem, klarem Wasser und Kies und Felsbrocken auf dem Grund. Da sie wie alle Singvögel recht leicht sind, können sie nur tauchen, wenn sie auf dem Bachgrund gegen die Strömung laufen und sie so mit leicht geöffneten Flügeln vom Wasserdruck nach unten gedrückt werden. Diese Ansprüche an das Fließgewässer machen sie zu Bewohnern der Gebirge und des Berglandes, wo Bäche genügend Gefälle haben um die entsprechende Strömung zu entwickeln.

Wasseramseln bauen ihr Nest in Felsspalten, in Wurzelteller umgestürzter Bäume, unter alten Brücken, in überhängenden Uferböschungen und früher oft auch in Wassermühlen. Wie der Zaunkönig, mit dem verwandt sind, bauen sie keine freistehenden Nester wie etwa Amseln, sondern ihr Nest aus Moos und Pflanzenstengeln hat eine kugelige Form und ist stets in eine Höhlung gebaut. Die jungen Wasseramseln werden von beiden Eltern mit Wasserinsekten wie Köcherfliegen, deren Larven, kleinen Fischen, Wasserschnecken und Flohkrebsen gefüttert.

In Mitteleuropa bleiben die Wasseramseln in der Regel auch im Winter in ihrem Revier. In Norddeutschland gibt es im Winter Zuzug von nordischen Wasseramseln. Viele Bäche in Skandinavien frieren zumindest an den Rändern zu, was die Jagd nach Kleintieren erschwert. Die nordischen Wasseramseln lassen sich mit etwas Aufmerksamkeit von den mitteleuropäischen unterscheiden: Ihnen fehlt der rotbraune Streifen zwischen dem weißen Kehllatz und dem schwarzen Bauch. Die britischen Vögel haben dagegen einen gänzlich braunen Bauch. Wie andere Bachbewohner auch knickst und wippt die Wasseramsel ständig und blinzelt häufig mit den Augen. Ganz ähnliche Bewegungen machen zum Beispiel Bergstelze, Bachstelze und Flussuferläufer auch. Vielleicht ist ein unbeweglicher Gegenstand vor dem Hintergrund von fließendem Wasser auffälliger als ein sich bewegender.

Wer Wasseramseln beobachten möchte, sollte sich einen entsprechenden Bach suchen und auf den großen Steinen, die vom Wasser umspült werden, nach Kotklecksen suchen. Meist reicht es dann, wenn man sich eine halbe Stunde ruhig in Sichtweite hinsetzt, um sie irgendwann vorbei fliegen zu sehen. Es gibt spezielle Wasseramsel-Nistkästen, die man unter Brücken und an wassernahen Bauwerken anbringen kann.
Jetzt im zeitigen Frühjahr beginnt die Brutzeit der „Wasserschmätzer“, wie sie auch genannt werden. Ihr Leben am fast immer gleich kalten oder warmen Wasser erlaubt ihr den frühen Brutbeginn.

Thomas Griesohn-Pflieger

Bannertier im Februar: Die Heringsmöwe

Die Heringsmöwe ist ein sehr attraktiver und interessanter Vogel. Sie gehört wie andere Möwen (Silber-, Mantel-, Steppen-, Mittelmeermöwe und andere) zur Gruppe der Großmöwen. Möwen haben den Ruf nur schwer unterscheidbar zu sein. Das stimmt auch und ist unter anderem dadurch bedingt, dass viele dieser Möwenarten eng verwandt sind und zum anderen sie bis zum Erwachsenwerden drei bis vier Jahre benötigen. Und dabei tragen sie mehrere Jugendkleider, die unterschiedlich aussehen. Dazu kommt noch, dass manche Möwenarten auch noch in geographisch verteilten Unterarten vorkommen, die sich wiederum im Aussehen unterscheiden können. So ist es auch bei der Heringsmöwe, aber es gibt einen Trost, denn im adulten (erwachsenen) Kleid ist sie relativ einfach zu erkennen. Wie andere Möwen, etwa die Silbermöwe, hat auch die Heringmöwe einen gelben Schnabel mit rotem Fleck, allerdings sind die Beine gelb und der Mantel, also Flügel und Rücken, sind immer dunkler als bei Silbermöwen. Bei den Heringsmöwen, die an der Ostsee brüten, ist er fast schwarz und bei denen im Ostseeraum dunkelgrau. Am hellsten sind die westeuropäischen Vögel, die am Atlantik und in Großbritannien vorkommen. Aber alle haben gelbe Beine und im Winter einen stark gestrichelten Kopf und Nacken. Das wiederum unterscheidet sie von den weitgehend weißköpfigen Steppen- und Mittelmeermöwen. 

Unser Bannerbild zeigt eine recht junge Heringsmöwe, wahrscheinlich in ihrem ersten Winterkleid. Allerdings ist es schon ziemlich verblichen. Möwen in diesem Alter sind für Einsteiger oft kaum zu bestimmen.

Heringsmöwen kommen in Nord-und Westeuropa vor. Erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts besiedelten sie die westliche Nordsee. Dann stieg ihre Zahl kontinuierlich an und auch heute noch scheinen die Populationen allerdings langsamer zu wachsen. Heringsmöwen sind heute in den Küstengebieten Mitteleuropas eine alltägliche Erscheinung und sie sind fast so häufig wie die Silbermöwen.

Ein wichtiger struktureller Unterschied der Heringsmöwe gegenüber der Silbermöwe ist die Flügellänge. Heringsmöwen haben längere Flügel, die beim stehenden Vogel den Schwanz deutlich überragen. Schon alleine durch dieses Kennzeichen lässt sich auch von der größeren aber ebenfalls einem dunklen Mantel tragenden Mantelmöwe unterscheiden.
Die nördlichen Populationen der Heringsmöwen sind ausgesprochene Langstreckenzieher, die in den tropischen Zonen Afrikas und Asiens überwintern. Die Heringsmöwen Westeuropas überwintern zum großen Teil an der französischen und spanischen Atlantikküste sowie im Mittelmeer. Möglicherweise haben die längeren Flügel der Heringsmöwe auch damit zu tun, dass sie viel längere Strecken in kurzer Zeit zurücklegen muss als die kurzflügelige Silbermöwe, die nur kurze Strecken zieht.

Wie die meisten anderen großen Möwen auch brüten Heringsmöwen für gewöhnlich in Kolonien, gelegentlich auch mit anderen Möwen wie zum Beispiel der Silbermöwe zusammen. Heringsmöwen ernähren sich mehr auf der hohen See als es etwa Silbermöwen tun. Möglicherweise finden wir hier einen weiteren Grund für die längeren Flügel, die sie zu besseren, wendigeren Fliegern macht. Sie fliegen weit auf das Meer hinaus und können dort zum Beispiel Heringe im Stoßtauchen aus dem Flug heraus erbeuten.

Sie ist weniger häufig auf Mülldeponien und an anderen Abfallplätzen zu finden als die Silbermöwe und scheint dieser bei der Nahrungssuche aus dem Weg zu gehen. War die Heringsmöwe im vergangenen Jahrhundert nur sehr selten im Binnenland zu sehen, so ist dies mittlerweile regelmäßig der Fall. Vor allen zu den Zugzeiten und im Winter lassen sich immer wieder Heringsmöwen an Flüssen und Seen beobachten. Heringsmöwen können recht alt werden, ein beringter Vogel brahctees immerhin auf 32 Jahre. Das ist viel Zeit um Erfahrungen zu machen und zu lernen.

In Europa schätzt man die Zahl der Brutpaare auf 300-350.000 davon sollen etwa 38.000 Paare in Deutschland brüten.

Thomas Griesohn-Pflieger

Bannertier im Januar: Der Rotfuchs

Der jedem Kind aus Sagen und Märchen bekannte Fuchs, genauer Rotfuchs, kommt von der Tundra im Norden bis nach Nordamerika im Süden vor. Der Rotfuchs ist das Raubtier mit der größten Verbreitung auf der Erde, denn neben seinem natürlichen Verbreitungsgebiet ist er durch Menschen in Australien und einigen Pazifikinseln gezielt ausgesetzt waren. Oft dienten diese Einbürgerungen  dazu, eine andere europäische Art, die sich zu stark vermehrt hatte, nämlich dem Wildkaninchen, Einhalt zu gebieten.

Sein großes Verbreitungsgebiet legt nahe, dass der Rotfuchs ein sehr anpassungsfähiges Tier ist. Das beweist er auch dadurch, dass er mittlerweile in allen großen Stadtlandschaften in unmittelbarer Nähe der Menschen vorkommt. Am liebsten besiedelte der Fuchs deckungs- und waldreiche Gebiete. Dort gräbt er sich einen unterirdischen Bau mit Wohnkessel und Röhrensystem. Oft benutzen Füchse die Baue von Dachsen, die bessere „Bergmänner“ sind. Nicht selten kommt es vor,  dass Fuchs und Dachs denselben Bau friedlich teilen. Dachte man früher, die Füchse seien Einzelgänger und würden sich nur zur Ranzzeit (Fortpflanzungszeit) im Winter treffen, so weiß man heute, dass es ein sehr differenziertes Sozialverhalten bei den Füchsen gibt. Die Art und Weise des Zusammenlebens in einer Fuchspopulation variiert sehr stark und scheint von den jeweiligen Lebensräumen abhängig zu sein. So leben Füchse in Wäldern in stabilen und ortstreuen Familienverbänden, in denen sich nur die ranghöchsten und ältesten Tiere fortpflanzen können. Füchse, die die Agrarlandschaft mit ihren Feldern und Wiesen bewohnen, zeigen ein weniger ausgeprägtes Sozialverhalten und nahezu jede Fähe (weiblicher Fuchs) trägt Junge aus. Die hohe Reproduktionsquote in den offenen Landschaften entspricht auch einer größeren Mortalität in diesen Biotopen.

Fuchsrüden sind von Dezember bis Anfang März befruchtungsfähig. Die Fähe dagegen nur zwei bis drei Tage lang, die meist in den Januar/Februar fallen. Der Rüde folgt in diesem Zeitraum einer ausgewählten Fähe, um den fruchtbaren Zeitraum nicht zu verpassen. Je nach der Sozialstruktur der Fuchspopulation paart sich ein Rüde nur mit einer oder auch mit mehreren Fähen bzw. diese sich mit mehreren Rüden. Die Jungen eines Wurfes können daher unterschiedliche Väter haben.

Der hohen Flexibilität des Rotfuchses in Bezug auf seinen Lebensraum entspricht auch eine anspruchslose Ernährung. Füchse sind wenig spezialisiert, sondern Generalisten, die nehmen, was leicht zu kriegen ist. Als Anpassung an diese Lebensart kann auch das relativ gute Klettervermögen der Füchse, die ohne weiteres Gartenzäune überwinden können, gelten. Er selbst muss sich vor Steinadlern an in acht nehmen, die auch ausgewachsene Füchse schlagen können. Auch als Beute  des Seeadlers ist der Rotfuchs nachgewiesen und Jungfüchse können auch vom Uhu gewschlagen werden.

Das Zurückdrängen der Tollwut aus Mitteleuropa, sowie die nachlassende Bejagung haben dazu geführt, dass der Rotfuchs in wachsenden Beständen anzutreffen ist. Für die meisten Naturbeobachter sind Fuchs-Beobachtungen aber immer noch etwas besonderes. Wer einen befahrenen Fuchsbau kennt, und sich dort an Sitzmöglichkeiten schafft, kann mit etwas Glück im Mai/Juni die Jungfüchse beobachten. Spielende Jungfüchse sind sicher einer der Höhepunkte der Naturbeobachtung in Mitteleuropa.

Eine Auswertung der über 4000 beobachteten Füchse, die in www.naturgucker.de eingetragen wurden, ergibt zwei zeitliche Schwerpunkte: zum einen werden Füchse im Januar und Februar gesehen und ein weiterer Schwerpunkt ergibt sich von Mitte April bis Mitte Juni.

Thomas Griesohn-Pflieger