
EPP OPTICAL SIGHT
WENN PRÄZISION, TECHNIK UND DYNAMIK ZUSAMMENKOMMEN
Wer mich kennt, weiß, dass ich Abwechslung auf dem Schießstand schätze. Genau deshalb begeistert mich die BDMP-Disziplin EPP Optical Sight (EPP-OS) seit vielen Jahren . Sie verbindet das, was für mich gutes Kurzwaffenschießen ausmacht: Präzision, Konzentration, sichere Waffenhandhabung und die Fähigkeit, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen. Anders als beim klassischen Präzisionsschießen steht man hier nicht die gesamte Zeit an einer Position und schießt auf dieselbe Distanz. Stattdessen führt der Europäische Präzisionsparcours durch unterschiedliche Stationen, Anschläge und Entfernungen. Mal ist maximale Präzision gefragt, mal schnelles Handeln unter Zeitdruck. Genau diese Vielseitigkeit macht die Disziplin für mich so spannend.
Mit der Optical-Sight-Variante kommt zudem moderne Technik ins Spiel. Rotpunktvisiere ermöglichen eine schnelle Zielaufnahme und haben sich inzwischen im sportlichen Schießen fest etabliert. Dennoch bleibt der entscheidende Faktor immer der Schütze selbst. Technik kann unterstützen, aber Präzision, saubere Abläufe und konsequentes Training kann sie nicht ersetzen.
Was ist EPP Optical Sight?
Der Europäische Präzisionsparcours (EPP) zählt zu den bekanntesten Kurzwaffendisziplinen des Bundes der Militär- und Polizeischützen (BDMP). Die Disziplin wurde entwickelt, um unterschiedliche schießtechnische Fähigkeiten in einem Wettkampf zusammenzuführen. Schützen müssen dabei auf verschiedenen Distanzen und aus unterschiedlichen Anschlägen präzise Treffer erzielen und gleichzeitig vorgegebene Abläufe sicher umsetzen.
Die Variante EPP Optical Sight (EPP-OS) basiert auf demselben Grundprinzip, erlaubt jedoch den Einsatz moderner Rotpunktvisiere. Dadurch wird die Zielaufnahme erleichtert, ohne dass die eigentlichen Anforderungen der Disziplin verloren gehen. Gerade diese Kombination aus klassischen Schießfertigkeiten und moderner Optik macht EPP-OS heute für viele Sportschützen besonders attraktiv.


Ein Parcours statt einer einzelnen Schuss-Serie
Während viele Kurzwaffendisziplinen auf einer festen Distanz geschossen werden, setzt der EPP auf Abwechslung. Ein vollständiger Wettkampfdurchgang umfasst sechs Stationen mit insgesamt 50 Schuss. Die Entfernungen reichen von sieben bis dreißig Metern. Hinzu kommen unterschiedliche Anschlagsarten sowie verschiedene Zeitvorgaben. Dadurch müssen sich die Schützen während des Wettkampfs ständig auf neue Situationen einstellen. Mal steht die Präzision auf weite Distanz im Vordergrund, mal entscheiden schnelle Entscheidungen und saubere Bewegungsabläufe über das Ergebnis. Genau diese Vielseitigkeit sorgt dafür, dass kein Durchgang wie der andere ist.
Der Auftakt: Schnelle Entscheidungen auf kurze Distanz
Die erste Station startet auf sieben Metern Entfernung. Zwei Serien mit jeweils fünf Schuss müssen innerhalb von lediglich 15 Sekunden absolviert werden. Zusätzlich gehört ein Magazinwechsel beziehungsweise Nachladen mit dem Speedloader zum vorgegebenen Ablauf. Viele Schützen unterschätzen diese Übung. Die kurze Distanz vermittelt zunächst den Eindruck einer einfachen Aufgabe. Tatsächlich entstehen hier jedoch häufig Fehler durch überhastete Schussabgaben oder unsaubere Abläufe.
Wer ruhig bleibt und kontrolliert arbeitet, legt bereits zu Beginn die Grundlage für ein gutes Gesamtergebnis.

Wenn jeder Millimeter zählt
Nach dem schnellen Einstieg folgt die größte Distanz des gesamten Parcours. Auf 30 Metern werden fünf Schuss im liegenden Anschlag abgegeben. Hier rückt die pure Präzision in den Mittelpunkt. Kleine Fehler, die auf kurze Entfernung kaum sichtbar sind, wirken sich auf 30 Metern deutlich stärker aus. Die Station stellt daher hohe Anforderungen an den Anschlag, die Atmung und die Abzugskontrolle. Auch moderne Rotpunktvisiere können nur dann ihr Potenzial entfalten, wenn die grundlegende Schießtechnik sauber umgesetzt wird.

Präzision aus ungewohnten Positionen
Auf 25 Metern erwartet die Teilnehmer eine der technisch interessantesten Übungen des Wettkampfs. Geschossen wird sowohl rechts als auch links an einem Balken vorbei. Zusätzlich erfolgt ein Wechsel der schießenden Hand. Diese Station fordert weit mehr als nur ein gutes Trefferbild. Schützen müssen ihre gewohnten Bewegungsabläufe anpassen und gleichzeitig die volle Kontrolle über Waffe und Ziel behalten.
Gerade hier zeigt sich, wie vielseitig der Europäische Präzisionsparcours aufgebaut ist und warum er sich von klassischen Präzisionswettkämpfen unterscheidet.
Der Wechsel zwischen Stabilität und Dynamik
Im weiteren Verlauf des Parcours wechseln die Teilnehmer zwischen sitzenden, knienden und stehenden Anschlägen. Besonders anspruchsvoll gestaltet sich die Station auf 15 Metern. Nach einer Serie im knienden Anschlag folgt unmittelbar der Wechsel in den stehenden Anschlag. Anschließend müssen weitere fünf Schüsse innerhalb von zehn Sekunden abgegeben werden. Hier geht es nicht nur um Geschwindigkeit. Entscheidend ist, nach dem Positionswechsel sofort wieder ein stabiles Zielbild aufzubauen und die Schüsse kontrolliert abzugeben.

Ein anspruchsvoller Abschluss
Die letzte Station findet auf zehn Metern Entfernung statt und verlangt noch einmal höchste Konzentration. Zunächst werden fünf Schüsse einhändig auf eine Scheibe abgegeben. Anschließend folgt der Wechsel auf eine zweite Scheibe, die beidhändig beschossen wird. Nach mehreren anspruchsvollen Stationen entscheidet häufig gerade diese Abschlussübung über die endgültige Platzierung. Konzentration bis zum letzten Schuss ist daher Pflicht.
Sicherheit als zentraler Bestandteil der Disziplin
Wie in allen BDMP-Disziplinen besitzt die sichere Waffenhandhabung höchste Priorität. Jeder Ablauf ist klar geregelt und muss von den Teilnehmern exakt eingehalten werden.
Vom Laden über die Schussabgabe bis hin zum Holstern der Waffe nach Abschluss einer Station steht die Sicherheit jederzeit im Vordergrund. Zusätzlich erfolgt der erste Schuss der Übungen im Double-Action-Modus, was die Anforderungen an die Abzugskontrolle weiter erhöht.
Der EPP Optical Sight verlangt somit nicht nur präzise Treffer, sondern auch ein hohes Maß an Disziplin und Verantwortungsbewusstsein.

Warum Rotpunktvisiere immer beliebter werden
Der größte Unterschied zwischen klassischem EPP und EPP Optical Sight liegt in der verwendeten Visierung. Statt einer offenen Visierung kommen moderne Rotpunktvisiere zum Einsatz. Ihr Vorteil besteht darin, dass das Auge des Schützen im Wesentlichen auf das Ziel fokussiert bleiben kann. Der Leuchtpunkt wird direkt auf das Ziel gebracht, wodurch die Zielaufnahme häufig schneller und intuitiver gelingt. Besonders bei wechselnden Anschlägen, knappen Zeitfenstern oder mehreren Zielwechseln kann diese Technologie ihre Stärken ausspielen. Deshalb erfreuen sich Rotpunktvisiere sowohl im sportlichen Bereich als auch bei modernen Dienstpistolen zunehmender Beliebtheit.
Wichtig bleibt jedoch: Ein Rotpunktvisier ersetzt keine Schießtechnik. Ein sauberer Griff, ein kontrollierter Abzugsvorgang und eine stabile Anschlagshaltung bleiben die Grundlage für gute Ergebnisse.
Typische Irrtümer über EPP Optical Sight
„Mit Rotpunktvisier wird alles einfacher.“
Rotpunktvisiere erleichtern die Zielaufnahme, ersetzen jedoch keine saubere Schießtechnik. Gute Ergebnisse entstehen weiterhin durch Training und Erfahrung.
„EPP-OS ist weniger anspruchsvoll als klassisches EPP.“
Die Übungen, Entfernungen und Anforderungen entsprechen im Wesentlichen dem klassischen EPP. Die Visierung ist der entscheidende Unterschied.
„Auf kurze Distanzen entscheidet nur die Geschwindigkeit.“
Gerade auf sieben oder zehn Metern kosten kleine Fehler häufig wertvolle Ringe. Präzision bleibt während des gesamten Wettkampfs entscheidend.
Für mich gehört EPP Optical Sight zu den vielseitigsten und spannendsten Kurzwaffendisziplinen im BDMP
Kaum eine andere Disziplin verbindet unterschiedliche Distanzen, Anschlagsarten und technische Anforderungen in dieser Form miteinander.
Besonders reizvoll ist dabei die Mischung aus Präzision und Dynamik. Jeder Schuss zählt, gleichzeitig muss man sich ständig auf neue Situationen einstellen und seine Technik anpassen. Das macht jeden Wettkampf anders und sorgt dafür, dass auch erfahrene Schützen immer wieder gefordert werden.
Die Möglichkeit, moderne Rotpunktvisiere einzusetzen, ergänzt diesen Ansatz hervorragend. Sie bieten Vorteile bei der Zielaufnahme, verändern aber nicht den Kern der Disziplin: Am Ende entscheiden eine saubere Schießtechnik, Konzentration und eine sichere Waffenhandhabung über das Ergebnis.
Genau deshalb fasziniert mich EPP Optical Sight bis heute. Die Disziplin fordert viele unterschiedliche Fähigkeiten und zeigt gleichzeitig, wie vielseitig moderner Kurzwaffensport sein kann. Wer Präzision nicht isoliert betrachtet, sondern in Verbindung mit Technik, Bewegung und kontrollierten Abläufen erleben möchte, findet im EPP-OS eine äußerst spannende Herausforderung.
Yvonne Steinke – MINOX Markenbotschafterin und aktive BDMP-Schützin


Yvonne Steinke
Sportschützin, speziell Bianchi Cup beim BDMP, schießt gern Revolver und mit Optik , seit 2023 Europameister Bianchi Cup rimfire Open sowie Jungjäger.
Ausrüstung:
MINOX RV1






